Freitag, 14. Dezember 2012

Filmkritik: Lady Snowblood (1973)

US DVD Cover
Japan 1873: Das Land lebt kurz nach dem Ende der Edo-Ära in einem Gefühl diffuser Angst von der westlichen Welt wirtschaftlich sowie militärisch abgehängt zu werden. In einer Aktion um Japan - zumindest militärisch - zu Stärken erlies der Staat dafür das Gesetz zur allgemeinen Wehrpflicht. Dies soll alle männlichen Einwohner mit 16 Jahren zur Registrierung und alle mit 20 Jahre zur Einberufung verpflichten. Diesen Erlass, der in der Bevölkerung großen Widerstand erfährt, nutzen ein paar skrupelose Gangster aus: Sie lassen arme Bauern ihre Kinder von der Wehrpflicht freikaufen und verschwinden daraufhin mit dem Geld. Durch eine vorgeschobene Verwechslung wird von dieser Bande eine Junge Familie getötet, einzig die Mutter wird am Leben gelassen. Nachdem sie für die späte Blutrache an einen der Gangster zum Gefängnis verurteilt wird, bringt sie dort ihr Kind Yuki, ein Mädchen, auf die Welt. Ihre Tochter soll nach dem Wunsch der Mutter - die bei ihrer Geburt stirbt - im Leben nur eines tun: Den Tod ihrer Familie rächen. Yuki wird in den folgenden Jahren zu einer Kämpferin ausgebildet die sich sytematisch jeglichen menschlichen Gefühlen wie Zorn, Liebe oder Angst entledigt. Nach 20 Jahren harter Ausbildung macht sie sich darauf in einem unbarmherzigen Rachefeldzug die Peiniger ihrer Mutter zu finden und zu töten.
Wer bei Lady Snowblood eine Anspruchsvolle Geschichte sucht sollte natürlich besser andere Filme schauen. Wie bei vielen - gerade japanischen - Filme aus dieser Zeit geht es bei Lady Snowblood vor allem um die Inzenierung und nicht um die Story ansich. Grindhouse - oder gar Exploitation - auf hohem Niveau sozusagen. Dies ist in diesem Fall dafür auf ganzer Linie gelungen. In Bildern die teilweise einem Manga entsprungen sein könnten (bzw. auch sind) wird ein gewaltiges Epos über Moral und Rache gezeichnet. Dabei fallen einem immer wieder die beiden namengebenen Farben des Filmes Weiß (für Schnee) und Rot (für Blut) ins Auge. Während Yuki, gespielt von Meiko Kaji, meistens die Farbe Weiß trägt, präsentieren sich die Kontrahenten oftmals in Blutrot. Auch die düsteren Gefängnisszenen sind in einem tiefen Rot gezeichnet, während der im Rückblick zu sehende Vater von Yuki hingegen komplett weiß gekleidet ist. Tragischerweise war sogar aber genau diese Tatsache der Auslöser für seinen Tod. Somit hat die vermeintlich harmlose Farbe Weiß das Blutbad und somit den folgenden Rachefeldzug überhaupt erst ausgelöst. Erst nach mehrmaligen Anschauen wird einem bewusst, auf wievielen Ebenen und mit wievielen kleinen Details Regisseur Toshiya Fujita gearbeitet hat.
Die Komplexität der dort geschaffenen Bilder, die ironischerweise auf den ersten Blick meistens fast simpel wirken, sind sicher einer der Hauptgründe, wieso Tarantino Shurayuki-hime - so der Originaltitel - als einer der Inspirationen für Kill Bill vol. 1 gedient hat. Von der Geschichte der Frau die Rache nimmt, über die Einteilung in Kapitel bis hin zum Finale im Schnee gibt es immer wieder punktuell Dinge zu sehen, die sich Tarantino zur Vorlage genommen hat.
Gesehen habe ich den Film auf einer Rapideyemovies Presse-DVD, die ich vor Jahren durch Zufall bekam - inzwischen gibt es den Film bei Amazon auch zu kaufen, jedoch auch da nur Original mit Untertitel. Dies sollte aber für jeden Interessierten kein Ausschlusskriterium sein. filmdetails

Kommentare:

  1. Für mich ist Lady Snowblood leider ein Opfer des Zeitgeistes - als einer der ersten Rachefilme war er damals in vieler Hinsicht revolutionär, hinkt heute allerdings ein ganz klein wenig hinter den unzähligen Epigonenen hinterher.
    Stilistisch trotzdem noch ein Leckerbissen... aber eben auch deutlich gealtert, im Gegensatz zum einen oder anderen weiteren Film der japanischen 70er.
    Habe mich daher auch immer noch nicht an den zweiten Teil gewagt.
    Hast du den zufällig mal gesehen?

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  2. Hi, das Alter sieht man ihm wirklich an - wobei er auch heute noch ohne Einschränkung sehenswert ist.
    Den zweiten hab ich leider noch nicht gesehen - wobei er wohl auch nur noch durchschnittlich ist... sollte ich die Möglichkeit haben ihn zu sehen werde ich ihn mir aber sicher auch ansehen.

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