Dienstag, 18. Juni 2019

Filmkritik: Nacht der Wölfe (1982)

(c) SchröderMedia HandelsgmbH
Was macht eigentlich den Unterschied aus, zwischen einen Film der zum absoluten Klassiker wurde und einem Film, der bereits nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwunden ist? Zunächst würde man vermuten, dass dies Dinge sind wie Schauspieler, Story oder ein ausgefallenes Drehbuch. Das ist zwar richtig - am Schluss geht es aber vor allem darum, ob ein Film gut gealtert ist und auch nach 40, 50 oder mehr Jahren immer noch funktioniert. Taxi Driver wäre z. B. so ein Film. Den Film den wir heute uns näher betrachten ist jedoch schlecht gealtert. Vielleicht sogar wahnsinnig schlecht, so das man von Glück reden kann, dass er überhaupt die Chance bekommen hat auf Bluray released zu werden (Wenn auch in niedriger Auflage, was die hohen Preise erklären würde). Der Film Nacht der Wölfe von Wolfgang Nüchtern (Witze über den Namen des Regisseurs im Zusammenhang mit dem Film kommen weiter unten) wirkt nach fast 40 Jahrzehnten über weite Teile eher lächerlich und zum fremdschämen - und das obwohl die Story alles andere als lustig gemeint ist.
Die Geschichte ist relativ schnell erzählt: Die Revengers sind eine knallharte Gang und beherrschen die Straßen in der Münchner Downtown - oder wie die Einheimischen sagen "Haidhausen". Doch die Dominanz ist gefährdet: Eine türkische Großfamilie zieht in das Revier der Revengers und eröffnet eine Bäckerei (nein, kein Wettstudio, Dönerladen, Handy-Ramschladen oder eine Sisha Bar wie man es erwarten könnte, sondern eine ganz biedere Bäckerei). Für die Revengers jedoch eine Provokation. Komplett entgleist die Situation, als ein Sprößling der osmanischen Neubürger es wagt sich in einer Gang-Kutte des Türken-Klans "Blutige Adler" auf der Straße zu zeigen. Bei den Revengers ist es einzig die (halbwegs) klar denkende Daniela, die nicht allzuviel von dem aufziehenden Gang-Krieg hält. Als sie nach einiger Zeit auch noch die Seiten wechselt und sich mit Dogan, Mitglied der Blutigen Adler, anfreundet eskaliert die Situation völlig. München brennt! Oder zumindest der Kinder-Spielplatz in Haidhausen.
Auch ohne eine tiefgreifende Filmanalyse stellt man schon nach 10 Minuten des Filmes fest, dass der Film seltsam anmutet. Irgendwie schlecht gealtert ist - und komplett deplaziert in der heutigen Zeit wirkt. Dies liegt vor allem mit der Darstellung der Hauptdarsteller, allesamt Mitglieder der Gang Revengers. Denn auch wenn sich Gangs in der Regel außerhalb des Gesetzes bewegen, stellen sie normalerweise irgendwas dar oder vertreten eine Gesinnung. Sei es Profit mit Drogenverkauf, das propagieren einer extremen politischen Richtung oder das huldigen irgendwelcher Bands. Die Revengers sind jedoch alles und nichts. Sie sind weder Drogendealer oder Nazirocker. Auch keine Anarchisten und haben weder Struktur oder irgendwelche Ziele - außer das aufmischen der Straße, wie sie Eingangs des Filmes selbst feststellen. Dies zeigt sich z. B., dass sie in der Stadt demonstrativ Bier trinken und die Dosen überall auf den Boden schmeißen bis die Polizei anrückt. Mit wirklichen Gang-Verhalten hat dies allerding wohl weniger zu tun als mit einer postpubertären Verhaltensstörung. Auch sonst wirkt die Gang im Vergleich zu "richtigen" Gangs wie ein Haufen geistig stehengebliebener Mittzwanziger: Hier ein Graffiti auf die Mittagskarte eines Gasthauses, dort einmal breitbeinig älteren Herrschaften keinen Platz auf dem Gehweg gemacht oder in der Eisdiele Metal voll aufgedreht auf der Jukebox hören. Eine schöne Zeit muss das gewesen sein, als man Abends durch die Stadt ging und die größte Angst darin bestand, dass die Gangs den Bürgersteig nicht frei machen oder einen Schnulli nennen.
Aber genau hier zeigt sich auch das größte Problem im Film: Diese Gang strahlt rein überhaupt nichts bedrohliches aus. Ob es damals wirklich so war, oder Herr Nüchtern beim schreiben alles andere als nüchtern war und deshalb einen so naiven Blick auf kriminelle Vereinigungen hat, vermag man nicht zu beurteilen. Doch nicht nur das auftreten der Gang als Kollektiv - auch das Verhalten der einzelnen Mitglieder erinnert eher an 15 Jährige Schüler im Trotzmodus, als an vermeinlich Schwerkriminelle Gangster.
An dieser Stelle würde man wohl denken, dass man sich den Film eigentlich sparen kann. Doch nein! Bloß nicht. Nacht der Wölfe ist nämlich trotz - oder gerade wegen diesen Mankos - ein schöner trashiger 80iger Jahre Film. Ein Film, der fast nur mit Laiendarstellern aufwartet, deren einziger Leinwandauftritt in diesem Machwerk waren. Ein Film, der selbst meistens nicht weiß was er sein will: Drama? Liebesfilm? Actionfilm? Punkfilm? Alles ein bisschen - aber nichts wirklich. Ein Soundtrack von der deutschen Metalband Accept rundet das Bild ab, welche sich über jede Menge Werbung für Ihre Songs gefreut haben dürften. Ebenfalls schön ist es zu sehen, wie München vor bald 40 Jahren aussah. Wer sich von dem aktuellen hohen Preis nicht abschrecken lässt (oder den Film anderweitig günstiger Streamen kann) hat einen schönen Einblick in die Filmschaffenden Landschaft von Deutschland der frühen 80iger Jahren. filmdetails

Mittwoch, 1. Mai 2019

Filmkritik: Pterodactyl (2005)

(c) Schröder Media HandelsgmbH & Co KG
Der Name Coolio dürfte hierzulande den meisten Leuten durch die 90er Jahre Ghetto-Hymne Gangsters Paradise geläufig sein. Das dieser Mann jedoch wie seine Rapper-Kollegen Ice T oder Ice Cube (nein, die sind nicht verwandt) auch Filme gemacht hat - oder es zumindest versucht hat - ist hingegen nicht so bekannt. Und dies ist sicherlich auch gut so: Mit Pterodactyl von 2005 hab ich vor einigen Jahren in der Videothek wohl eine der miesesten Direct-to-DVD Verfilmungen gefunden, die jemals mit einem Rapper in der Hauptrolle gedreht wurde. Ja tatsächlich Videothek! Den Film habe ich nämlich für sagenhafte 75 Cent erworben, nachdem unsere Stammvideothek dicht gemacht hat und die Restbestände verscheuert hat. Im Nachhinein waren vielleicht sogar diese 75 Cent zuviel - dies könnte man zumindest denken, wenn man den Film zuende gesehen hat.
Zusammengefasst kann ich an der Stelle schon mal feststellen, dass hier so ziemlich alles unterboten wird, was rappende Darsteller bisher geleistet haben. Besser wäre es für Coolio (und alle Zuschauer) gewesen, dass er bei seinen Wurzeln geblieben wäre.
Doch ist es wirklich so schlimm? Fassen wir mal die Story zusammen: Irgendwo in der Türkei gibt es einen Vulkanausbruch und ein paar prähistorische Dinoeier werden an die Oberfläche gespült (warum auch immer). Durch die Hitze des Vulkans werden die Eier sozusagen ausgebrütet und einige Pterodactylus-Küken schlüpfen, wachsen immens schnell und machen schon bald Jagd auf Menschen. Durch Zufall befinden sich zwei Gruppen von Menschen in dem Gebiet: Ein Professor mit einigen Studenten auf einer Exkursion - sowie eine Einheit Navy-Seals, die Terroristen jagen. Doch nach nur kurzer Zeit werden bereits die ersten Studenten zerfleischt und suchen Schutz bei den Navy-Seals, die nun statt Terroristen Flugsaurier jagen.
Ein ganz normaler Tag bei den Seals ... (c )American World Pictures (AWP)
Die Story liest sich nicht nur wie großer Schmarrn - sie ist es auch. Hier wurden ziemlich lieblos verschiedene Sachen vermischt, damit jeder was geboten bekommt. Attraktive Studentinnen, ein Vollnerd, ein Professor mit Beziehungsproblemen, mehr oder weniger knallharte Seals (allen voran Coolio als ein gefühlt 1,50m großer Drill Sergeant) und natürlich Flugsaurier. Zusammen passt das alles nicht - und auch nach 90 Minuten ergibt sich daraus noch kein wirklicher Sinn.
Am interessantesten ist es eigentlich, wenn man mal abgesehen von Coolio auf einen anderen Verantwortlichen des Filmes schaut: Direkt fällt einem der Name des Regisseurs Marc L. Lester ins Auge. Diesen dürften die meisten B-Film-Fans zunächst einmal mit dem kultigen Phantom Commando mit Schwarzennegger in Verbindung bringen. Geholfen hat es nichts. Der Film wird nicht besser und ist und bleibt das, was man erwartet: Ziemlich belangloser Trash bestehend aus einer wirren Story und unterirdischen Spezialeffekten (siehe animiertes Bild...), der leider ziemliche Längen hat. Selbst als Schlefaz-Anwärter könnte es hier knapp werden. filmdetails

Freitag, 26. April 2019

Filmkritik: Captain America (1990)

(1990) Marvel
Anlässlich zum Start der neuen Schlefaz Staffel wird hier eine Rezension von 2015 heraufgekramt: Und Achtung - bevor hier jemand eine Rezension zu der Marvel Verfilmung erwartet: Bitte nicht weiterlesen. An dieser Stelle folgt nämlich natürlich eine genauere Betrachtung des Machwerkes von Albert Pyun aus dem Jahre 1990.
Wir erinnern uns: Pyun ist hauptsächlich ausgewiesener Experte für diverse B-Movies aus den 90igern - vorzugsweise dem Cyborg-Genre. Der Versuch sich an die bekannte uramerikanischen Comicvorlage Captain America heranzuwagen geht selbstverständlich schief. Jedoch auf eine durchaus unterhaltsame Weise. Ehrlich gesagt war mir bis letzte Woche gar nicht bewusst, dass sich auch Pyun schon mit diesem Thema befasst hat. Durch Zufall stieß ich am Stand einer Filmbörse dann auf die streng mit 88-Stück limitierte Fassung des Streifens von Shamrock Media. Mit der Limitierung ist das in dem Fall natürlich so eine Sache: 88 Stück hört sich zunächst einmal sehr wenig und wertvoll an. Angesichts der erwartenden Lizenzkosten von dem Film und den verschiedenen unterschiedlichen Box-Varianten wird der Wert jedoch schnell geschmälert. Vermutlich ist die DVD gerade mal 2 Euro wert. Dies nur am Rande.
In der Story geht es - naja - um Captain America halt. Urvater des Propaganda Comics. Steve Rogers ist um die 20 Jahre alt und körperlich eingeschränkt. In der Hoffnung auf Genesung macht er bei einem streng geheimen Projekt der US-Army mit. Dort wird er bei einem speziellen Experiment in eine Art Supersoldat verwandelt. Bei einem Kampf gegen einen Nazibösewicht landet Rogers im Eis und friert knapp 50 Jahre ein. Als er von einigen Arktis-Forschern in den 90igern gefunden wird muss sich Rogers erst einmal zurechtfinden. Sein Erzfeind existiert jedoch immer noch.
Ich weiß nicht wie Pyun es schafft: Obwohl seine bekanntesten Filme aus den 90igern stammen - wie auch dieser hier (nämlich von 1990) - wirken sie wesentlich älter. Egal ob Frisuren, Autos oder Dialoge: Alles was Pyun zeigt scheint aus den dunkelsten 80iger Jahren zu stammen. Da der Film ohnehin trashig wirkt, ist dies 25 Jahre später nicht einmal mehr als Manko zu sehen, sondern unterstreicht das Gesamtbild. Ernst nimmt sich Captain America dennoch - jedoch merkt man gleichzeitig, dass Pyun sehr genau wußte, was hier in echt fabriziert wird. Nämlich kein großartiges Hollywood Kino sondern ein geradeliniger Direct-to-VHS Film, der in der untersten Liga mitspielt. Ohne viel Umschweife sei jedem Trash-Fan dieser Film ans Herz gelegt - auch für 5 Euro, die er mit Sicherheit wert ist. Wer großes Kino will, der sollte sich jedoch die aktuellen Produktionen ansehen und Pyuns Film sparen. filmdetails
Blogverzeichnis Dieser Blog benutzt Cookies