Sonntag, 15. September 2019

Filmkritik: Cabin Fever (2016)

(c) IFC Midnight
Kennt noch jemand Cabin Fever? Blöde Frage eigentlich - Horrorfilmfans die nach 1985 geboren sind werden sich vermutlich noch alle an Eli Roths Kinodebut erinnern. Umso verwunderter war ich, als ich hörte, dass es ein Remake aus dem Jahre 2016 gibt. Ist das schon so lange her...??? fragte ich mich. Und eine Prüfung bei imdb gab mir recht: Nein, der Film ist gar nicht so alt. Der Film mag zwar nicht mehr der neuste sein, ist aber mit Erscheinungsjahr 2002 zum Zeitpunkt des Release des Remakes nicht einmal 15 Jahre alt. Das Remake ist wiederum (offenbar zurecht) zunächst einmal völlig an mir vorbei gegangen. Und ja - es handelt sich tatsächlich um ein Remake und um kein Reboot, wo in irgendeiner Weise noch eine gewissene Eigenkreativität des Regisseurs oder des Drehbuchautors gefordert gewesen wären. Cabin Fever von 2016 ist eher so eine Art Remake wie das von Psycho mit Anne Heche von 1998. Also ein Nachfilmen eines Filmes wo Shot-to-Shot teilweise komplette Szenen einfach nur übernommen werden. Dies hat bei Psycho vielleicht noch eingeschränkt Sinn ergeben, da das Original zu dem Zeitpunkt 38 Jahre alt war und in Schwarz/Weiß gedreht wurde. Bei Cabin Fever erschließt nicht ansatzweise der Sinn dahinter was es soll, einen 14 Jahre alten Film noch einmal zu drehen. Aber was solls - channard hatte den Film besorgt (auch er war überrascht, weil er zunächst dachte er hätte das Original gekauft) und ihn mir kurzerhand ausgeliehen.
Die Story ist altbekannt: Eine Gruppe Freunde die gerade das College geschafft haben, fahren zum Feiern in den Kurzurlaub zu einer abgelegenen Blockhütte. Doch schon der erste Stopp an einer Hillbilly Tanke läuft aus dem Ruder: Einer der Gruppe wird von einem Kind in die Hand gebissen: Bevor die Situation völlig eskaliert fährt die Gruppe weiter zum Haus. Dort angekommen treffen Sie auf einen offenbar mit einer seltsamen Krankheit infizierten Mann. Nachdem sie diesen versehentlich erschießen, verbreitet sich ein mysteriöser Virus. Einer nach dem anderen wird von der Gruppe infiziert. Ein Psychospiel zwischen den Freunden - sowie der Kampf gegen die fleischfressenden Bakterien beginnt.
Die Story ist - wie beim Original - nicht besonders orginell. Während Eli Roths Film aber noch schaffte eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen misslingt das dem Remake auf ganzer Linie. Vermutlich auch, weil man ohnehin weiß, was passieren wird. Die Darsteller sind allesamt relativ unsymphatisch - und keine Charaktere, die einem in irgendeiner Weise ans Herz wachsen. Mehr oder weniger egal ist es einem daher, wenn der Killervirus nach und nach die komplette Clique dezimiert. So gesehen ein ziemlich sinnfreies Remake, das technisch jedoch nicht zu bemängeln ist. Ordentlich gesplattert wird - und die Effekte sind weitgehend (wie es aussieht) "handgemacht" ohne viel CGI Effekthascherei. Dies bleibt allerding der einzige Pluspunkt. Wer das Orignal nicht kennt, kann einen Blick wagen. Alle anderen sollten hier eher einen Bogen machen. filmdetails

Samstag, 31. August 2019

Filmkritik: Terminator II (1989)

(c) Severin Films
Was soll man von einem Film halten, der unter dem dreisten Namen Terminator II erschien - und bei dem sich sogar am Ende Bruno Mattei zu Schade fand mit seinem echten Namen einzustehen? Vermutlich nicht viel. Zunächst einmal, ist der Titel natürlich irreführend. Der original Titel ist Shocking Dark - aber angesicht der Tatsache, dass Terminator einfach eine bekannte Marke war, wurden auf die Rechte mehr oder weniger geschissen und der Film in Europa unter dem cooler klingenden Namen Terminator II released. In den USA wurde Mattei dies übrigens untersagt - was wenig juckt, den in der imdb steht der Film tatsächlich auch unter Terminator II. Damit die Verwechselung für den unaufmerksamen Videotheken Gast in den frühen 90iger Jahren letztendlich perfekt war, wurde auch das Cover an James Camerons Meisterwerk angepasst. Matteis Motto war zu der Zeit wohl "besser gut geklaut als schlecht selbstgemacht". Wobei das "gut geklaut" leider auch nicht zutrifft. Der Film ist zwar geklaut (und wider erwarten bei Aliens, nicht beim Terminator) - aber gut ist er deshalb bei weitem nicht.
Handeln wir mal schnell die Story ab - zu der es tatsächlich nicht viel nennenwertes zu erwähnen gibt: Venedig in der Zukunft - also von 1989 gesehen in der Zukunft - irgendwann in den Anfang der 2000er. Jahre Die Erdoberfläche ist komplett verseucht und ein Überleben ist dort nur noch schwer möglich. Die Leute haben sich in die Katakomben unter die Erde zurück gezogen - doch auch lauert das Böse in Form einer unbekannten biologischen Gefahr, die nur die beste Spezialeinheit aller Zeiten auslöschen kann: Die Megaforce!
Diese Einheit besteht aus einem wirren Haufen zusammengewürfelter Knalltüten, von denen in der Realität nicht einer in irgendeiner Spezialeinheit wäre, ja vermutlich nicht mal die Aufnahmeprüfung zum Streifenpolizist bestehen würde. Doch wir sind hier in der dystopischen Zukunft von Bruno Mattei, in der offenbar jeder kompetente Soldat bereits auf der Erdoberfläche das zeitliche segnen musste - somit muss sich die Menschheit eben auf die Megaforce verlassen - und ist damit erst recht verlassen. Anstatt sich ernsthaft mit der Bekämpfung dieser - was auch immer Kreatur - zu beschäftigen, beschäftigt sich die Megaforce vor allem mit sich selbst. Ständig werden testosteron gesteuerte Rivalitäten ausgetragen (die Frauen machen hier übrigens genauso mit) anstatt in irgendeiner Weise konstruktiv vorzugehen. Vermutlich soll das aber auch nur über die ansonsten schlechte Story hinwegtäuschen und eine lockere Atmosphäre schaffen. Das man die Darsteller ohnehin nicht ernst nehmen kann, muss vermutlich gar nicht erst erwähnt werden. Terminator II ist ein Film aus der alleruntersten Italo-Schrott-Film-Schublade wie man ihn sogar in diesem Genre nur selten findet. Vom Cover über den Titel hin bis zur Story ist alles geklaut. Miese Darsteller, ein Synthesizer Soundtrack von der Resterampe und Spezialeffekte, welche die Augsburger Puppenkiste zu der Zeit schon besser hinbekommen hätte. Nichts funktioniert an dem Film - und das ist vermutlich aber der Grund, warum man ihn sich doch bis zum Ende ansieht. Ein bisschen wie ein Unfall, wo das Gewissen sagt "nicht hinsehen" - aber die meisten Leute doch mal kurz schauen wollen. Bei diesen filminischen Unfall will man jedoch nicht nur kurz schauen - sondern das komplette Elend bis zum Schluss ansehen, um danach sich mit ruhigen Gewissen einzureden, dass man als nicht filmstudierter Trashfilmfan vermutlich alles besser gemacht hätte als Bruno Mattei 1989. filmdetails

Sonntag, 7. Juli 2019

Filmkritik: Starship Troopers 2: Held der Föderation (2004)

(c) Nameless Media
Ob es wirklich eine dankbare Aufgabe ist, die Verantwortung für die Fortsetzung eines Genre-Meisterwerkes wie Starship Troopers übertragen zu bekommen? Ein Film, der bis jetzt polarisiert - gleichzeitig aber zum Kultfilm avancierte. Ich vermute nicht - auch wenn es gleichzeitig eine große Ehre darstellt. Klar: Auch das Original von Paul Verhoeven hatte es alles andere als leicht. Nicht wenige Leitmedien der damaligen Zeit missverstanden den Film: Gewaltverherrlichend, eine flache Story und vor allem ein endloses abfeiern eines faschistischen Regimes. All diese Kritikunkte wurden - weitgehend ohne Belege - angeführt, wenn es um Starship Troopers ging. Eine Indizierung und damit zwangsläufig folgende Verbannung unter die Ladentheke tat ihr übrigs um Verhoevens Meisterwerk endgültig in die Schmuddelecke zu stellen. Fast 20 Jahre hat es gedauert hat, bis der Film von der Gesellschaft (und vor allem von der BPJM) verstanden wurde: Ein neues Rating von 2017 ergab, dass der Film frei verkäuflich ab 16 Jahren war. Nicht umsonst zählt Starship Troopers zu einem der missverstandensten Filmen aller Zeiten. Und in diese Fussstapfen soll nun Phil Tippett - Regisseur des zweiten Teiles - treten. Eine Mammutaufgabe, welcher er nicht gewachsen war. Warum - und weshalb man ihm keinen Vorwurf machen kann - versuchen wir herauszufinden.
Die Story war schon beim ersten Teil lediglich Aufhänger für alles darauf folgende: Nicht die Geschichte war das beeindruckende (diese könnte nämlich tatsächlich als Blaupause für einen Propaganda Film dienen), sondern die Umsetzung. Das Setting. Die Spezialeffekte, der orchestrale Soundtrack, die eingestreuten zweifelhaften aber nachdenklich stimmende politischen Botschaften - welche oftmals erst beim genaueren Hinsehen und Hören - überhaupt wahrgenommen werden. Und nicht zuletzt die überzeugende Atmosphäre. Und genau das alles wurde aber bereits erzählt - im ersten Teil von Starship Troopers. Die Geschichte war in sich abgeschlossen. Es bedurfte keinen weiteren Erklärungen. Bis zu dem Tag, als der Verleiher dachte bei diesem gut laufenden Franchise (es wurden parallel bereits eine Serie und Videospiele herausgebracht) müsste jetzt nach 7 Jahren auch endlich mal eine offizielle Fortsetzung her halten.
Gesagt getan. Wie erwähnt war der Special-Effects Mann von Teil 1, Phil Tippett, nunmehr verantwortlicher Regisseur. Wer entschieden hat, warum - und überhaupt wieso - genau er bei Teil 2 Regie führen durfte (oder vielmehr musste) ist als Außenstehender nicht so leicht nachzuvollziehen. Fakt ist, er war überfordert. Die Story behandelt im Gegensatz zu Teil 1 nicht mehr den Krieg gegen die Bug, sondern einer einzigen Schlacht. Auf einem nicht näher erwähnten Planeten kämpft eine Einheit Marines hoffnungslos unterlegen gegen eine riesige Bug-Kolonie. Nachdem die Troopers herbe Verluste in Kauf nehmen mussten retten sie sich die letzten Überlebenden in einen vermeintlich verlassenen alten Stützpunkt. Dort begegnen die Trooper jedoch den mysteriösen Captain Dax. Dieser wurde angeblich eingesperrt, weil er einen Offizier tötete und ist einer der wenigen Überlebenden eines Bug Angriffes. Obwohl Captain Dax zunächst nicht mit offenen Karten spielt, entpuppt sich ein Anwesender Mechaniker als "Doppelagent", der sich offenbar den Bugs verpflichtet hat. Dax und die restlichen Troopers geben nun alles um zu überleben.
Im Gegensatz zu Teil 1 ist Starship Troopers 2: Held der Föderation kein streibarer Film. Es gibt im Vergleich zum ersten Teil keine subtile Gesellschaftskritik oder besondere Stilmittel, welche den Film in irgendeiner Weise künstlerisch wertvoll machen. Im Gegenteil: Starship Troopers 2 ist billig produziert - und genau das sieht man dem Film auch an. Das Geld ging vermutlich für einige (damals) kostespiele CGI Effekte drauf, wo die Bugs in Action zu sehen waren. Ansonsten wurde an allen Ecken und Enden gespart: Das Mündungsfeuer der Sturmgewehre von den Trooper sind zum Beispiel flackernde LED Lampen. Aber auch Schauspieler oder Soundtrack: Nichts bleibt wirklich im Gedächnis hängen. Während Starship Trooper 1 noch einige andauernde Karrieren hervor gebracht hat (Insbesonder Neil Patrick Harris), bleibt von Teil 2 einem niemand mehr im Gedächnis hängen. Zu rudimentär, zu durchschnittlich ist die Performance der Darsteller. Einzig Richard Burgi, der Captain Dax mimt, macht einen halbwegs guten Job. Auch wenn sein Gesicht teilweise dann doch wieder so aussieht, als ob er sich gerade selbst fragt, was das ganze hier soll.
Nein, kein gutes Haar ist an dieser misslungen Fortsetzung zu finden. Und trotzdem gehört dieser Film ins Regal eines jeden Filmfans. Warum? Vor allem deshalb, weil es jetzt - nach 15 Jahren - endlich ein liebevoll gemachtes Mediabook von Nameless Media gibt. Dieses, nach eigenen Angaben streng limitiert auf insgesamt 999 Stück - verteilt auf drei verschiedene Cover -, ist online teilweise bereits schon ausverkauft und zum Glück auf Filmbörsen noch leicht zu erwerben. Obwohl ich selbst bei der letzen Filmbörse verhindert war, habe ich dank Channard doch noch ein Exemplar ergattern können. Die Bildqualität ist, wie bei einer neu gemasterten Bluray zu erwarten, gut bis sehr gut.
Insbesondere der reflektierende Schriftzug sowie ein 18 Seitiges Booklet von Wolfgang Brunner mit Hintergründen zum Film runden das positive Gesamtbild des Mediabooks ab. Zusammengefasst: Absolute Kaufempfehlung für einen absoluten Scheissfilm. filmdetails

Dienstag, 18. Juni 2019

Filmkritik: Nacht der Wölfe (1982)

(c) SchröderMedia HandelsgmbH
Was macht eigentlich den Unterschied aus, zwischen einen Film der zum absoluten Klassiker wurde und einem Film, der bereits nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwunden ist? Zunächst würde man vermuten, dass dies Dinge sind wie Schauspieler, Story oder ein ausgefallenes Drehbuch. Das ist zwar richtig - am Schluss geht es aber vor allem darum, ob ein Film gut gealtert ist und auch nach 40, 50 oder mehr Jahren immer noch funktioniert. Taxi Driver wäre z. B. so ein Film. Den Film den wir heute uns näher betrachten ist jedoch schlecht gealtert. Vielleicht sogar wahnsinnig schlecht, so das man von Glück reden kann, dass er überhaupt die Chance bekommen hat auf Bluray released zu werden (Wenn auch in niedriger Auflage, was die hohen Preise erklären würde). Der Film Nacht der Wölfe von Wolfgang Nüchtern (Witze über den Namen des Regisseurs im Zusammenhang mit dem Film kommen weiter unten) wirkt nach fast 40 Jahrzehnten über weite Teile eher lächerlich und zum fremdschämen - und das obwohl die Story alles andere als lustig gemeint ist.
Die Geschichte ist relativ schnell erzählt: Die Revengers sind eine knallharte Gang und beherrschen die Straßen in der Münchner Downtown - oder wie die Einheimischen sagen "Haidhausen". Doch die Dominanz ist gefährdet: Eine türkische Großfamilie zieht in das Revier der Revengers und eröffnet eine Bäckerei (nein, kein Wettstudio, Dönerladen, Handy-Ramschladen oder eine Sisha Bar wie man es erwarten könnte, sondern eine ganz biedere Bäckerei). Für die Revengers jedoch eine Provokation. Komplett entgleist die Situation, als ein Sprößling der osmanischen Neubürger es wagt sich in einer Gang-Kutte des Türken-Klans "Blutige Adler" auf der Straße zu zeigen. Bei den Revengers ist es einzig die (halbwegs) klar denkende Daniela, die nicht allzuviel von dem aufziehenden Gang-Krieg hält. Als sie nach einiger Zeit auch noch die Seiten wechselt und sich mit Dogan, Mitglied der Blutigen Adler, anfreundet eskaliert die Situation völlig. München brennt! Oder zumindest der Kinder-Spielplatz in Haidhausen.
Auch ohne eine tiefgreifende Filmanalyse stellt man schon nach 10 Minuten des Filmes fest, dass der Film seltsam anmutet. Irgendwie schlecht gealtert ist - und komplett deplaziert in der heutigen Zeit wirkt. Dies liegt vor allem mit der Darstellung der Hauptdarsteller, allesamt Mitglieder der Gang Revengers. Denn auch wenn sich Gangs in der Regel außerhalb des Gesetzes bewegen, stellen sie normalerweise irgendwas dar oder vertreten eine Gesinnung. Sei es Profit mit Drogenverkauf, das propagieren einer extremen politischen Richtung oder das huldigen irgendwelcher Bands. Die Revengers sind jedoch alles und nichts. Sie sind weder Drogendealer oder Nazirocker. Auch keine Anarchisten und haben weder Struktur oder irgendwelche Ziele - außer das aufmischen der Straße, wie sie Eingangs des Filmes selbst feststellen. Dies zeigt sich z. B., dass sie in der Stadt demonstrativ Bier trinken und die Dosen überall auf den Boden schmeißen bis die Polizei anrückt. Mit wirklichen Gang-Verhalten hat dies allerding wohl weniger zu tun als mit einer postpubertären Verhaltensstörung. Auch sonst wirkt die Gang im Vergleich zu "richtigen" Gangs wie ein Haufen geistig stehengebliebener Mittzwanziger: Hier ein Graffiti auf die Mittagskarte eines Gasthauses, dort einmal breitbeinig älteren Herrschaften keinen Platz auf dem Gehweg gemacht oder in der Eisdiele Metal voll aufgedreht auf der Jukebox hören. Eine schöne Zeit muss das gewesen sein, als man Abends durch die Stadt ging und die größte Angst darin bestand, dass die Gangs den Bürgersteig nicht frei machen oder einen Schnulli nennen.
Aber genau hier zeigt sich auch das größte Problem im Film: Diese Gang strahlt rein überhaupt nichts bedrohliches aus. Ob es damals wirklich so war, oder Herr Nüchtern beim schreiben alles andere als nüchtern war und deshalb einen so naiven Blick auf kriminelle Vereinigungen hat, vermag man nicht zu beurteilen. Doch nicht nur das auftreten der Gang als Kollektiv - auch das Verhalten der einzelnen Mitglieder erinnert eher an 15 Jährige Schüler im Trotzmodus, als an vermeinlich Schwerkriminelle Gangster.
An dieser Stelle würde man wohl denken, dass man sich den Film eigentlich sparen kann. Doch nein! Bloß nicht. Nacht der Wölfe ist nämlich trotz - oder gerade wegen diesen Mankos - ein schöner trashiger 80iger Jahre Film. Ein Film, der fast nur mit Laiendarstellern aufwartet, deren einziger Leinwandauftritt in diesem Machwerk waren. Ein Film, der selbst meistens nicht weiß was er sein will: Drama? Liebesfilm? Actionfilm? Punkfilm? Alles ein bisschen - aber nichts wirklich. Ein Soundtrack von der deutschen Metalband Accept rundet das Bild ab, welche sich über jede Menge Werbung für Ihre Songs gefreut haben dürften. Ebenfalls schön ist es zu sehen, wie München vor bald 40 Jahren aussah. Wer sich von dem aktuellen hohen Preis nicht abschrecken lässt (oder den Film anderweitig günstiger Streamen kann) hat einen schönen Einblick in die Filmschaffenden Landschaft von Deutschland der frühen 80iger Jahren. filmdetails

Mittwoch, 1. Mai 2019

Filmkritik: Pterodactyl (2005)

(c) Schröder Media HandelsgmbH & Co KG
Der Name Coolio dürfte hierzulande den meisten Leuten durch die 90er Jahre Ghetto-Hymne Gangsters Paradise geläufig sein. Das dieser Mann jedoch wie seine Rapper-Kollegen Ice T oder Ice Cube (nein, die sind nicht verwandt) auch Filme gemacht hat - oder es zumindest versucht hat - ist hingegen nicht so bekannt. Und dies ist sicherlich auch gut so: Mit Pterodactyl von 2005 hab ich vor einigen Jahren in der Videothek wohl eine der miesesten Direct-to-DVD Verfilmungen gefunden, die jemals mit einem Rapper in der Hauptrolle gedreht wurde. Ja tatsächlich Videothek! Den Film habe ich nämlich für sagenhafte 75 Cent erworben, nachdem unsere Stammvideothek dicht gemacht hat und die Restbestände verscheuert hat. Im Nachhinein waren vielleicht sogar diese 75 Cent zuviel - dies könnte man zumindest denken, wenn man den Film zuende gesehen hat.
Zusammengefasst kann ich an der Stelle schon mal feststellen, dass hier so ziemlich alles unterboten wird, was rappende Darsteller bisher geleistet haben. Besser wäre es für Coolio (und alle Zuschauer) gewesen, dass er bei seinen Wurzeln geblieben wäre.
Doch ist es wirklich so schlimm? Fassen wir mal die Story zusammen: Irgendwo in der Türkei gibt es einen Vulkanausbruch und ein paar prähistorische Dinoeier werden an die Oberfläche gespült (warum auch immer). Durch die Hitze des Vulkans werden die Eier sozusagen ausgebrütet und einige Pterodactylus-Küken schlüpfen, wachsen immens schnell und machen schon bald Jagd auf Menschen. Durch Zufall befinden sich zwei Gruppen von Menschen in dem Gebiet: Ein Professor mit einigen Studenten auf einer Exkursion - sowie eine Einheit Navy-Seals, die Terroristen jagen. Doch nach nur kurzer Zeit werden bereits die ersten Studenten zerfleischt und suchen Schutz bei den Navy-Seals, die nun statt Terroristen Flugsaurier jagen.
Ein ganz normaler Tag bei den Seals ... (c )American World Pictures (AWP)
Die Story liest sich nicht nur wie großer Schmarrn - sie ist es auch. Hier wurden ziemlich lieblos verschiedene Sachen vermischt, damit jeder was geboten bekommt. Attraktive Studentinnen, ein Vollnerd, ein Professor mit Beziehungsproblemen, mehr oder weniger knallharte Seals (allen voran Coolio als ein gefühlt 1,50m großer Drill Sergeant) und natürlich Flugsaurier. Zusammen passt das alles nicht - und auch nach 90 Minuten ergibt sich daraus noch kein wirklicher Sinn.
Am interessantesten ist es eigentlich, wenn man mal abgesehen von Coolio auf einen anderen Verantwortlichen des Filmes schaut: Direkt fällt einem der Name des Regisseurs Marc L. Lester ins Auge. Diesen dürften die meisten B-Film-Fans zunächst einmal mit dem kultigen Phantom Commando mit Schwarzennegger in Verbindung bringen. Geholfen hat es nichts. Der Film wird nicht besser und ist und bleibt das, was man erwartet: Ziemlich belangloser Trash bestehend aus einer wirren Story und unterirdischen Spezialeffekten (siehe animiertes Bild...), der leider ziemliche Längen hat. Selbst als Schlefaz-Anwärter könnte es hier knapp werden. filmdetails

Freitag, 26. April 2019

Filmkritik: Captain America (1990)

(1990) Marvel
Anlässlich zum Start der neuen Schlefaz Staffel wird hier eine Rezension von 2015 heraufgekramt: Und Achtung - bevor hier jemand eine Rezension zu der Marvel Verfilmung erwartet: Bitte nicht weiterlesen. An dieser Stelle folgt nämlich natürlich eine genauere Betrachtung des Machwerkes von Albert Pyun aus dem Jahre 1990.
Wir erinnern uns: Pyun ist hauptsächlich ausgewiesener Experte für diverse B-Movies aus den 90igern - vorzugsweise dem Cyborg-Genre. Der Versuch sich an die bekannte uramerikanischen Comicvorlage Captain America heranzuwagen geht selbstverständlich schief. Jedoch auf eine durchaus unterhaltsame Weise. Ehrlich gesagt war mir bis letzte Woche gar nicht bewusst, dass sich auch Pyun schon mit diesem Thema befasst hat. Durch Zufall stieß ich am Stand einer Filmbörse dann auf die streng mit 88-Stück limitierte Fassung des Streifens von Shamrock Media. Mit der Limitierung ist das in dem Fall natürlich so eine Sache: 88 Stück hört sich zunächst einmal sehr wenig und wertvoll an. Angesichts der erwartenden Lizenzkosten von dem Film und den verschiedenen unterschiedlichen Box-Varianten wird der Wert jedoch schnell geschmälert. Vermutlich ist die DVD gerade mal 2 Euro wert. Dies nur am Rande.
In der Story geht es - naja - um Captain America halt. Urvater des Propaganda Comics. Steve Rogers ist um die 20 Jahre alt und körperlich eingeschränkt. In der Hoffnung auf Genesung macht er bei einem streng geheimen Projekt der US-Army mit. Dort wird er bei einem speziellen Experiment in eine Art Supersoldat verwandelt. Bei einem Kampf gegen einen Nazibösewicht landet Rogers im Eis und friert knapp 50 Jahre ein. Als er von einigen Arktis-Forschern in den 90igern gefunden wird muss sich Rogers erst einmal zurechtfinden. Sein Erzfeind existiert jedoch immer noch.
Ich weiß nicht wie Pyun es schafft: Obwohl seine bekanntesten Filme aus den 90igern stammen - wie auch dieser hier (nämlich von 1990) - wirken sie wesentlich älter. Egal ob Frisuren, Autos oder Dialoge: Alles was Pyun zeigt scheint aus den dunkelsten 80iger Jahren zu stammen. Da der Film ohnehin trashig wirkt, ist dies 25 Jahre später nicht einmal mehr als Manko zu sehen, sondern unterstreicht das Gesamtbild. Ernst nimmt sich Captain America dennoch - jedoch merkt man gleichzeitig, dass Pyun sehr genau wußte, was hier in echt fabriziert wird. Nämlich kein großartiges Hollywood Kino sondern ein geradeliniger Direct-to-VHS Film, der in der untersten Liga mitspielt. Ohne viel Umschweife sei jedem Trash-Fan dieser Film ans Herz gelegt - auch für 5 Euro, die er mit Sicherheit wert ist. Wer großes Kino will, der sollte sich jedoch die aktuellen Produktionen ansehen und Pyuns Film sparen. filmdetails

Dienstag, 19. Februar 2019

Filmkritik: Ginger Snaps (2000)

(c) Concorde
Obwohl Werwölfe im allgemeinen sicher genauso bekannt sind wie Vampire, fristen Sie - zumindest in der Filmwelt - abseits von Animes eher ein Schattendasein. Bis auf einige Ausnahmen wie American Werewolf sind Werwölfe meistens nur Beiwerk: Egal ob die Gothic-Action Reihe Underworld oder die Twilight-Schmonzetten - Werwölfe spielen fast immer die zweite Geige. Grundsätzlich mag dies daran liegen, dass Werwölfe im Vergleich zu Vampiren weniger Charakter besitzen. Dümmer sind sie und vor allem tierischer. Und im Vergleich zu den als hochintelligten geltenden Vampire folgen Sie vor allem ihren Trieben und handel instinktiv. Dazu kommt, dass Sie Ihre Verwandlung nicht einmal beeinflussen können - oder der Werwolf in Menschengestalt teilweise nicht einmal weiß, das er ein Werwolf ist. Eine der seltenen Ausnahmen in den Werwolffilmen stellt somit die kanadische Filmtrologie Ginger Snaps dar, deren ersten Teil wir uns einmal genauer ansehen.
Ginger und ihre Schwester Brigitte Fitzgerald sind an der Highschool die absoluten Außenseiter. Nicht nur, dass die Beiden sich optisch eher weniger anpassen: Ihre Hobbies sorgen für das Übrige. Für ein Schulreferat bereiten Sie zum Beispiel eine Dia-Schau vor, in der die Schwestern alle möglichen Todesarten nachstellen. Der Hang zum Morbiden bereitet derweil auch Ihren Eltern Sorgen. Umso glücklicher ist die Mutter, als eine der beiden Schwestern - Ginger - ihr mitteilt, dass sie offenbar erstmals ihre Tage hat. Doch ein normales Mädchen! So der Gedanke der Mutter. Das dies den Blutdurst eines Werwolf auf den Plan ruft - daran hat natürlich niemand gedacht. In dieser verhängnisvollen Nacht wird Ginger somit selbst zum Werwolf und kann ihre langsame Wandlung nicht lange für sich behalten.
Ohne Übertreibung gehören damit die Ginger Snaps Filme (natürlich auch aufgrund fehlender Konkurrenz) zu dem Besten, was es zm Thema Werwölfe gibt. Und auch wenn der Film aufgrund der Darsteller zunächst als Teenhorror durchgehen könnte, ist er alles andere als klischeebehaftet. Drastische Gewalt, die durchaus vielschichtigen Charaktere und einer durchwegs schönen Optik (z. B. das Intro) heben Ginger Snaps vom Durcschnitt ab. Ein absoluter Genretipp. filmdetails

Montag, 14. Januar 2019

Filmkritik: Die Einsteiger (1985)

(c) MCP Sound & Media GmbH
Im Zeichen der Qualität standen die berühmt berüchtigten Supernasen Film wohl nie: Allzu deutsch, eher geringes Budget und ziemlich absurde Stories. Dazu ein sehr eigenwilliger Humor, den man entweder liebt oder hasst. Die Einsteiger ist einer dieser Filme, die ich in der Kindheit gesehen hatte aber eher mittelmäßig in Erinnerung hatte. Umso größer die Überraschung nachdem ich dem Film nach all den Jahren eine zweite Chance gegeben hatte: Der Film gefällt mir heute tatsächlich besser als früher. Warum das so ist: dazu am Ende mehr. Bei Die Einsteiger handelt es sich um den vierten und letzen der Supernasen-Filme, die allesamt aus den tiefsten 80igern kommen (Drehzeit war zwischen 1982 und '85). Und nicht nur das: Die Filme stellten gleichzeitig Karrierestart und Filmhöhepunkt von Thomas Gottschalk dar, der später meistens nur noch Nebenrollen spielte und sich auf TV Moderationen konzentrierte. Auch Mike Krüger - seines Zeichens Kabarettist - hatte nach diesen Filmen keine weiteren nennenswerten Hauptrollen in Filmen vorzuweisen. Somit stellt die Filmreihe - insbesondere der letze Teil - ein Stück historischer Filmgeschichte in Deutschland dar und wäre viel zu schade, als das man es vergisst.
Tommy und Mike - beide mitte 30  - leben gemeinsam in einer WG in München. Während Tommy als Tankwart arbeitet und vom großen Erfolg als Buchautor träumt, tüftelt Mike nachts in seinem Labor. Eines Tages gelingt ihm tatsächlich der große Wurf: Ein Gerät, welches es möglich macht, in Filme einzutauchen. Zeitgemäß natürlich auf VHS. Ob Western oder Vampirfilm - Mike und Tommy fangen an in ihrer Freizeit in die unterschiedlichsten Genres "einzusteigen". Mithilfe einer Spezial-Fernbedienung können die Beiden in jede erdenkliche Filmszene eintauchen und diese praktisch "live" Miterleben. Heraus - in die Realwelt - kommen die beiden ebenfalls nur mit der Fernbedienung, die Mike immer bei sich hat und einwandfrei funktioniert - solange der Akku geladen ist. Dieses Wunderwerk der Technik lässt sich natürlich nicht geheim halten - nicht allzulange dauert es, bis zwei große Elektronikkonzerne Wind von der Sache bekommen: Beide fangen nun an Tommy und Mike zu beschatten und die Erfindung zu klauen.
Laut imdb ist Die Einsteiger objektiv gesehen offenbar der beste Film der Supernasen-Reihe. Ob dem so ist, kann ich nicht beurteilen, da die anderen Film noch ausstehen (bzw. es viel zu lange her ist, dass ich sie gesehen habe). Fakt ist: Die Einsteiger hat mir gefallen. Auch wenn der Film zu viele überzeichnete Charaktere hat (Tommy der immer geile Playboy, Mike der verkappte Nerd) passt das Ganze. Das 80iger Jahre Setting mal in einem deutschen Film der zur damaligen Jetzt-Zeit spielt ist interessant: Wir erfahren z. B. das Benzin damals 1,26 Mark gekostet hat (also nicht mal 65 Cent). Doch kommen wir zum wichtigsten Aspekt des Filmes - denn er ist ja eine Komödie: Der Humor. Dieser ist - um es vorsichtig auszudrücken - zeitgemäß-absurd. Wahrscheinlich ist es genau diese Mischung, warum der Film heute auch noch witzig sein kann - vorrausgesetzt man steht auf diese Art Witz natürlich - Stichwort Würfelspiel (kein Spoiler jetzt!). Jeder der sich vorstellen kann knapp über 90 Minuten lang die Kaspereien von Thomas Gottschalk und Mike Krueger anzusehen greift wohl mit Die Einsteiger zum besten Supernasen-Film der jemals produziert wurde. filmdetails
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