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Gibt es eigentlich einen besseren Monat als den Oktober, um einen Horror- und Trashfilmblog zu reaktivieren? Ich denke doch nicht. Deshalb jetzt - nicht allzulange vor Halloween - ein kleiner Neustart für (hoffentlich) wieder regelmäßige Filmbesprechungen rund um den Bereich Horror, Trash und anderes obskures Nischenkino. Oder vielleicht auch mal Berichte von Filmevents, Börsen oder andere filmbezogene Themen, welche in der letzten Zeit alle etwas zu kurz kamen? In den letzten Jahren war es im Schnitt tatsächlich nur noch eine Rezension alle 6 - 12 Monate - ich denke das sollte besser gehen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Autor dieser Zeilen weiterhin 100 bis 150 Filme im Jahr sieht. Wie gewohnt war oder ist da natürlich viel Mist dabei (imdb Durchschnitt 4/10 ?) - aber auch dieser muss ja von irgendjemandem gesichtet werden. So gesehen: An der fehlenden Zeit kann es also nicht gelegen haben. Und die Leser? Diese kommen meistens von Google oder anderen Suchmaschinen, wenn sie nach dem einen oder anderen verlorenen Film suchen und anschließend hier landen. Eine Art digitales Filmlexikon - auffindbar über Suchmaschinen also. Geplant ist das alles natürlich weiterhin ausdrücklich ohne KI-Unterstützung: Hier wird alles "handgeschrieben" und selbstverständlich vorher auch mit menschlichen Augen begutachtet (Ja - im Jahr 2026 leider keine Selbstverständlichkeit mehr, wo sogar komplette Filmsynchros vor KI nicht sicher sind). Doch nun genug Vorwort - starten wir heute direkt mit einem kleinen dreckigen B-Movie aus den 70igern: Schizophren - aka The Love Butcher von 1975.
Gleich vorweg: Ich werde einen dicken Spoiler bringen - der jedoch auch im Film innerhalb der ersten Minuten mehr oder weniger aufgelöst wird: Ja, der Mörder ist in diesem Fall der Gärtner. Oder doch nicht? Sagen wir teilweise - denn der deutsche Filmtitel Schizophren kommt nicht von ungefähr.
Caleb ist ein trauriger Mann mittleren Alters und geistig sowie körperlich stark eingeschränkt - damals sagte man noch "ein Krüppel" - heute wäre er behindert. Sein Job ist es für ein paar lausige Dollar die Gärten seiner Kunden (die in der Regel das Gegenteil von Caleb darstellen - also erfolgreich und schön und oft vom anderen Geschlecht) auf Vordermann zu bringen. Caleb selbst lebt alleine in einer ziemlich heruntergekommenen Bude - wobei man ihm hier keinen Vorwurf machen kann, da die schönen reichen Frauen meistens extrem knausrig sind. Außerdem hatte Caleb ursprünglich einmal einen Bruder - Lester - der bis zu seinem frühen Tod immer der Vorzeigesohn seiner Eltern war - Und hier nimmt dann die Story richtig Fahrt auf: Ganz so tot ist Lester nämlich dann doch nicht: In Calebs wirrer Gedankenwelt - meistens abends zuhause wenn er alleine ist - lebt Lester weiter, wo er Caleb regelmäßig beleidigt und demütigt. Langsam aber sicher verliert Caleb durch diese Tagtraumreisen seinen Verstand und verwandelt sich Stück für Stück mehr zu Lester. Ein gutaussehender Typ - dafür aber umso gestörter, sadistisch und gewalttätig veranlagt. Lester ist es dann, welcher der Gesellschaft das heimzahlt, was Caleb an Unrecht erfahren musste.
Dem Cover und der Story nach haben wir es hier zunächst mit einem weiteren drittklassigen Machwerk aus der tiefsten 70iger Psychohorrorschundschublade zu tun, die einige Jahre zuvor Alfred Hitchcock höchstpersönlich mit seinem legendären Psycho geöffnet hat. Denn ganz klar sieht man hier Parallelen: Schizophrenie, Wahnvorstellungen, ein irrer Mörder. Aber reduziert man Schizophren jedoch auf ein billiges Psycho Rip-Off tut man ihm allerdings doch irgendwo unrecht. Handwerklich und schauspielerisch wird hier nämlich einiges geboten. Fangen wir bei Caleb / Lester an: Insbesondere Hauptdarsteller James Lemp liefert nämlich - für einen Lowbudget Film gesehen - eine wirklich hervorragende Leistung ab: Einmal ist er der introvertierte behinderte Caleb der Gärtner - nur um sich kurz darauf in Lester zu verwandeln der alle möglichen Rollen an: Zum Beispiel ein Sonnyboy aus Texas, der mit dem Auto liegen geblieben ist und die Frauen um den kleinen Finger wickelt. Lester hat nämlich viele Facetten - mal gibt er den Poolboy vom Wasserwerk, mal den coolen Spanier der seine LPs an den Mann (bzw. in dem Fall eher die Frau) bringen will. Alle weiteren Charaktere sind durchaus ok - hervorzuheben wäre noch der aufbrausende Polizeichef der seinen obligatorischen Streit mit der Presse austragen muss. Neben dem durchaus guten Cast können sich auch die teilweise sehr abwechslungsreichen Methoden sehen lassen, mit denen Lester seine Opfer aus dem Leben befördert: Ein Mord mit einer Grabgabel ist für den gediegenen Horrorfan sicherlich nichts Besonderes – beim Tod durch den Wasserdruck eines voll aufgedrehten Gartenschlauchs muss man dann doch zweimal hinsehen.
Zusammengefasst haben wir es bei Schizophren definitiv mit einem Vertreter der besseren Sorte diverser Psycho-Rip-Offs zu tun. Jeder, der nur ansatzweise etwas für obskureren 70iger-Jahre-Psychohorror hat, kann hier also bedenkenlos einen Blick riskieren. Für einen Klassiker langt es natürlich nicht (wie auch sonst zu erwarten), aber definitiv eine kleine Überraschung aus dem damaligen Regal der Videothek (wobei korrekterweise angemerkt der Film erst viele Jahre später auf VHS erschien). filmdetails


