Dienstag, 27. Oktober 2026

Filmkritik: Die Axt (1974)

(c) Frederick Productions
Nur 67 Minuten haben vor etwas über 50 Jahren gereicht, um die britischen Medienwächter mal wieder in helle Aufregung zu versetzen: Die Axt aka Lisa, Lisa aka The California Axe Massacre (man kann sich gar nicht entscheiden, welcher Titel am coolsten ist - ich tendiere zum kalifornischen Axt-Massaker) war damals einer der ersten Filme (von am Ende 72 Filmen), welche die komplette Filmbranche in Verruf gebracht hatten. Für jemanden, der nicht ahnt, worum es geht: Es handelt sich um die berühmt-berüchtigten Video Nasties, eine Liste von Filmen, die Anfang der 80iger Jahre in Großbritannien auf VHS erschienen und von den dortigen Medienwächtern als möglicherweise obszön eingestuft wurden. Insgesamt landeten im Laufe der Zeit 72 Filme auf dieser immer wieder veränderten Liste des Director of Public Prosecutions - 39 davon wurden tatsächlich erfolgreich nach dem "Obscene Publications Act" verfolgt. Aus heutiger Sicht scheint es pure Hysterie (nicht wenige sind inzwischen komplett ungeschnitten teils ab 16 Jahren erhältlich) - doch dazu später mehr.
Irgendwo in Kalifornien: Die drei Gangster Lomax, Steele und Billy sind auf der Flucht. Nachdem sie zunächst einen ehemaligen Freund aus dem Verkehr ziehen, kommt es zu einem kleinen Roadtrip, bei dem sie letztendlich auf einer abgelegenen Farm Unterschlupf finden. Die Bewohner - eine junge Frau namens Lisa und ihr gelähmter Opa - müssen die Gangster wohl oder übel aufnehmen. Womit keiner gerechnet hat: Nicht nur die Gangster sind gefährlich - auch Lisa hat es faustdick hinter den Ohren.
Zunächst beginnt der Film wie ein generischer Gangsterfilm, an dem sich Tarantino orientiert haben könnte: Die Gangster - allesamt im Anzug mit Krawatte - überfallen einen ehemaligen Geschäftspartner, viel Blut und coole Sprüche folgen. Auf der Flucht gibt es dann eine Stelle, die tatsächlich eine lockere Vorlage für eine Szene aus From Dusk Till Dawn gewesen sein könnte. Anschließend mutiert der Film zu einem reinen Home-Invasion-Film - bei dem die Rollen jedoch recht schnell umgedreht werden. Die Grundidee passt und die Darsteller machen gar nicht mal so einen verkehrten Job. Das Problem ist - wie man es bei einem 25.000-Dollar-Film erwarten kann - die Umsetzung: Die Filmmusik wäre für mich persönlich der erste Grund, den Film noch heute auf den Index zu setzen. Gefühlt wurden bis auf Trommeln, zwei gequälte Katzen und ein Synthesizer keine weiteren Instrumente eingesetzt. Heute würde man vermutlich sagen "lieblos mit KI generiert". Doch hier ist der Beweis, dass lieblos auch schon 1974 ging. Dann wären da noch die "Effekte" - wenn man sie so nennen will (mal extra in Anführungsstrichen). Selbst bei 25.000 Dollar (was der Film laut IMDb gekostet hat) hätte man mehr erwarten können. Im Prinzip werden 80% der Splattereffekte vorab weggeschnitten - aber sicher nicht, weil man es nicht zeigen wollte - sondern eher, weil man es nicht zeigen konnte. Die wenigen Effekte - die man im Verlauf präsentiert bekommt - zeigen Tomaten-Ketchup, welches kreuz und quer durch den Raum fliegt mit anschließender Wackelkamera, wo der Zuschauer nicht mehr weiß, wo oben und unten ist.
Und nochmal zurück zu den Video Nasties: Heutzutage wirkt dieser Film weniger schlimm als eine beliebige Folge irgendeiner Thrillerserie wie Dexter auf Netflix und Co. Blut, was nicht wie Blut aussieht, eine hektische Kamera, bei der meistens wenig bis gar nix zu sehen ist sowie ein paar Gangster im Anzug. Aus filmhistorischer Sicht sicher interessant - sonst eher nicht - wenn auch kein richtiger Schlefaz. filmdetails

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Filmkritik: Schizophren (1975)

(c) VMP

Gibt es eigentlich einen besseren Monat als den Oktober, um einen Horror- und Trashfilmblog zu reaktivieren? Ich denke doch nicht. Deshalb jetzt - nicht allzulange vor Halloween - ein kleiner Neustart für (hoffentlich) wieder regelmäßige Filmbesprechungen rund um den Bereich Horror, Trash und anderes obskures Nischenkino. Oder vielleicht auch mal Berichte von Filmevents, Börsen oder andere filmbezogene Themen, welche in der letzten Zeit alle etwas zu kurz kamen? In den letzten Jahren war es im Schnitt tatsächlich nur noch eine Rezension alle 6 - 12 Monate - ich denke das sollte besser gehen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Autor dieser Zeilen weiterhin 100 bis 150 Filme im Jahr sieht. Wie gewohnt war oder ist da natürlich viel Mist dabei (imdb Durchschnitt 4/10 ?) - aber auch dieser muss ja von irgendjemandem gesichtet werden. So gesehen: An der fehlenden Zeit kann es also nicht gelegen haben. Und die Leser? Diese kommen meistens von Google oder anderen Suchmaschinen, wenn sie nach dem einen oder anderen verlorenen Film suchen und anschließend hier landen. Eine Art digitales Filmlexikon - auffindbar über Suchmaschinen also. Geplant ist das alles natürlich weiterhin ausdrücklich ohne KI-Unterstützung: Hier wird alles "handgeschrieben" und selbstverständlich vorher auch mit menschlichen Augen begutachtet (Ja - im Jahr 2026 leider keine Selbstverständlichkeit mehr, wo sogar komplette Filmsynchros vor KI nicht sicher sind). Doch nun genug Vorwort - starten wir heute direkt mit einem kleinen dreckigen B-Movie aus den 70igern: Schizophren - aka The Love Butcher von 1975.
Gleich vorweg: Ich werde einen dicken Spoiler bringen - der jedoch auch im Film innerhalb der ersten Minuten mehr oder weniger aufgelöst wird: Ja, der Mörder ist in diesem Fall der Gärtner. Oder doch nicht? Sagen wir
teilweise - denn der deutsche Filmtitel Schizophren kommt nicht von ungefähr.
Caleb ist ein trauriger Mann mittleren Alters und geistig sowie körperlich stark eingeschränkt - damals sagte man noch "ein Krüppel" - heute wäre er behindert. Sein Job ist es für ein paar lausige Dollar die Gärten seiner Kunden (die in der Regel das Gegenteil von Caleb darstellen - also erfolgreich und schön und oft vom anderen Geschlecht) auf Vordermann zu bringen. Caleb selbst lebt alleine in einer ziemlich heruntergekommenen Bude - wobei man ihm hier keinen Vorwurf machen kann, da die schönen reichen Frauen meistens extrem knausrig sind. Außerdem hatte Caleb ursprünglich einmal einen Bruder - Lester - der bis zu seinem frühen Tod immer der Vorzeigesohn seiner Eltern war - Und hier nimmt dann die Story richtig Fahrt auf: Ganz so tot ist Lester nämlich dann doch nicht: In Calebs wirrer Gedankenwelt - meistens abends zuhause wenn er alleine ist - lebt Lester weiter, wo er Caleb regelmäßig beleidigt und demütigt. Langsam aber sicher verliert Caleb durch diese Tagtraumreisen seinen Verstand und verwandelt sich Stück für Stück mehr zu Lester. Ein gutaussehender Typ - dafür aber umso gestörter, sadistisch und gewalttätig veranlagt. Lester ist es dann, welcher der Gesellschaft das heimzahlt, was Caleb an Unrecht erfahren musste.
Dem Cover und der Story nach haben wir es hier zunächst mit einem weiteren drittklassigen Machwerk aus der tiefsten 70iger Psychohorrorschundschublade zu tun, die einige Jahre zuvor Alfred Hitchcock höchstpersönlich mit seinem legendären
Psycho geöffnet hat. Denn ganz klar sieht man hier Parallelen: Schizophrenie, Wahnvorstellungen, ein irrer Mörder. Aber reduziert man Schizophren jedoch auf ein billiges Psycho Rip-Off tut man ihm allerdings doch irgendwo unrecht. Handwerklich und schauspielerisch wird hier nämlich einiges geboten. Fangen wir bei Caleb / Lester an: Insbesondere Hauptdarsteller James Lemp liefert nämlich - für einen Lowbudget Film gesehen - eine wirklich hervorragende Leistung ab: Einmal ist er der introvertierte behinderte Caleb der Gärtner - nur um sich kurz darauf in Lester zu verwandeln der alle möglichen Rollen an: Zum Beispiel ein Sonnyboy aus Texas, der mit dem Auto liegen geblieben ist und die Frauen um den kleinen Finger wickelt. Lester hat nämlich viele Facetten - mal gibt er den Poolboy vom Wasserwerk, mal den coolen Spanier der seine LPs an den Mann (bzw. in dem Fall eher die Frau) bringen will. Alle weiteren Charaktere sind durchaus ok - hervorzuheben wäre noch der aufbrausende Polizeichef der seinen obligatorischen Streit mit der Presse austragen muss. Neben dem durchaus guten Cast können sich auch die teilweise sehr abwechslungsreichen Methoden sehen lassen, mit denen Lester seine Opfer aus dem Leben befördert: Ein Mord mit einer Grabgabel ist für den gediegenen Horrorfan sicherlich nichts Besonderes – beim Tod durch den Wasserdruck eines voll aufgedrehten Gartenschlauchs muss man dann doch zweimal hinsehen.
Zusammengefasst haben wir es bei Schizophren definitiv mit einem Vertreter der besseren Sorte diverser Psycho-Rip-Offs zu tun. Jeder, der nur ansatzweise etwas für obskureren 70iger-Jahre-Psychohorror hat, kann hier also bedenkenlos einen Blick riskieren. Für einen Klassiker langt es natürlich nicht (wie auch sonst zu erwarten), aber definitiv eine kleine Überraschung aus dem damaligen Regal der Videothek (wobei korrekterweise angemerkt der Film erst viele Jahre später auf VHS erschien). filmdetails

Samstag, 15. August 2026

Filmkritik: Demolition High (1996)

(c) Highlight Video

Lang ist die letzte Rezension her - und inzwischen macht man sich schon seine Gedanken. Ein Blog den fast keiner kennt und darüber hinaus nur einer unter hunderten ist, der sich dem Thema Filme widmet. Dazu eine KI, welche immer menschlicher schreiben kann und Rezensionen theoretisch in Sekunden erstellt. Macht es da überhaupt noch Sinn zu schreiben? Vermutlich nicht - außer, dass das Schreiben ansich ja auch noch irgendwo Spass macht. Und noch mehr Spaß macht es natürlich die ausgewählten Filmperlen vorher anzusehen. Und genau so eine Filmperle liegt mir heute vor: Demolition High. Das erste mal gesehen vor ca. 20 Jahren - irgendwie zufällig im TV - und jetzt noch einmal mit voller Aufmerksamkeit. Worum geht es also?
Kurz gesagt ist bereits der Titel eine Zusammenfassung des Films. Wie man schon in den ersten Minuten merkt ist die Story aus den tiefsten 90igern und trieft nur so von Klischees: Eine Gruppe von Terroristen überfällt ein Militärlager, stiehlt eine Rakete und verschanzt sich damit anschließend in der Provinz-Highschool von Mayfield. Der Grund dafür: Nur von hier hat man die beste Schusslinie auf den Reaktor des örtlichen Atomkraftwerkes was man bedroht zu beschießen sofern nicht ein Haufen Geld locker gemacht wird. So werden dann Lehrer und Schüler kurzerhand als Geiseln genommen - während die Polizei, das FBI und Sondereinsatzkommando außen ziemlich ratlos herumstehen. Doch keiner der Terroristen hat die Rechnung mit Lenny Slater (Corey Haim) gemacht, der es sich kurzerhand zur Aufgabe macht die Schule zu verteidigen: Der neue Schüler mit Bronx-Erfahrung startet einen Guerilla-Krieg durch die Gänge der Schule auf die John McClane neidisch werden könnte. Bei der Waffenauswahl greift er dabei - wie man erwarten kann - auf das volle Repertoire zurück was eine Schule so hergibt: Stifte, Kreissägen (aus dem Werkraum) oder Feuerlöscher. Dazu gibt er eine ganze Reihe Oneliner zum besten, die dem Setting gerecht werden wie z. B. ein Die Schule ist aus! - nachdem ein Terrorist fachgerecht aus dem Fenster getreten wurde. 
Ehrlich gesagt kann ich nicht glauben, dass Jim Wynorski hier im Ansatz irgendwas "ernsthaftes" produzieren wollte. Zu Albern und meisten unfreiwillig komisch ist das Ganze. Trotzdem passt es wunderbar in den damaligen Zeitgeist: Die Terroristen sind einfach böse - die Guten sind die Guten und ein 17 Jähriger Underdog (Corey Haim war zum Zeitpunkt des Drehs übrigens 25 Jahre alt...) mit dem keiner gerechnet hat (ok - die Zuschauer natürlich schon) metzelt im Alleingang eine ganze Bande professioneller Krimineller nieder.
Das hier keine Filmkunst geschaffen wurde dürfte jeden klar sein. Aber trotz alledem: Positiv bleibt, der Film rennt ohne Leerlauf mit hohem Tempo durch seine knappen 84 Minuten und spart nicht an Explosionen, Action-Gimmicks und brutalen (aber meistens billig gemachten) Konfrontationen. Die ganze "Die Hard in der Schule" -Mechanik funktioniert überraschend gut, weil die Terroristen - absichtlich oder nicht - eher wie Karikaturen als ernstzunehmende Gegner wirken. Und ja, trotz aller Logik-Löcher macht das irgendwie Laune, solange man nicht nach Hintergründen fragt. 
Corey Haim, der hier die Schüler Version von John McClane abgibt, liefert eine sympathische, rotzig, aufmüpfige energiegeladene Performance ab - auch wenn er doch irgendwie deutlich älter aussieht als der angeblich 17-jährige Lenny. Auch weitere Rollen wie Alan Thicke als besorgter Vater/Polizist und Dick Van Patten als General geben dem Ganzen noch einen Hauch 90iger-TV-Charme mit - was bei einer DirectToVideo Produktion sicher kein Manko darstellt. Allen voran aber gibt Melissa Brasselle als skrupellose Chef-Terroristin eine wirklich gute Figur ab - dies wird bereits schon in den ersten Minuten des Filmes deutlich gemacht. Ihr Leinwand-Tod später im Film stellt dann folgerichtig ein Highlight dar.
Fazit: Demolition High ist - wie die meisten Filme auf diesen Blog - kein Film für die cineastische Elite. Für Freunde von 90iger-Direct-to-Video-Action, die einmal ein Stirb Langsam RipOff an einer Schule sehen wollten jedoch überraschend unterhaltsam. 8/10 für das was der Film sein will. 4/10 für Leute die einen guten Film erwarten oder wenn man wirklich auf die glorreiche Idee kommen sollte den Film objektiv bewerten zu wollen. filmdetails

Blogverzeichnis Dieser Blog benutzt Cookies