Donnerstag, 7. Juni 2018

Filmkritik: Vampyros Lesbos – Die Erbin des Dracula (1971)

(c) ELEA-Media
Das der Regisseur Jesus Franco heißt, ist bei so einem Filmtitel nicht unbedingt unerwartet: Immerhin handelt es sich hier um eine erotische Neuauflage von Bram Stokers alltime Klassikers. Erotisch insofern, als das, was man Anfang der 70iger Jahre für erotisch hielt im Film. Also ein paar Brüste - und ansonsten ein eher plumper Softporno mit Vampiren. Und damit wäre der Bogen zu Jesus Franco wieder hergestellt: Wenn es nämlich um kinotauglichen Softsex ging (und ab und zu auch mal Hardcore Varianten für den VHS Markt) kamen Produzenten um Franco ohnehin nicht herum. Kommerziell gesehen war Franco immer ein Garant. Und so auch hier, wo Franco auch direkt sein Drehbuch beisteuern durfte. Nun ja, soviel zur Vorgeschichte.
Die Geschichte des Filmes ist - wie erwähnt - im Prinzip die klassische Dracula Geschichte. Einziger Unterschied: Alle relevanten Personen wurden durch Frauen ausgetauscht, die alle Nase lang sich frei machen. Linda (welche die Rolle des Jonathan Harker übernimmt), hat seit Monaten immer wieder den selben Traum: Eine attraktive Frau umwirbt und verführt sie. Ein Ruf aus dem Nichts, wie Linda es später selbst nennt. Ohne es genau zu wissen wieso, macht sich Linda auf den Weg die Frau zu suchen. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei der geheimnisvollen Frau um eine Gräfin, die das Blut junger Frauen zum Leben benötigt. Angekommen auf deren Schloss wird Linda in allerlei erotische Eskapaden verwickelt.
Viel eigenes hat Franco zu der Story nicht beigetragen. Die meiste Zeit orientiert sich der Film tatsächlich sehr stark an der Vorgabe. Dies hat Vor- und Nachteile: Der Vorteil ist ganz klar, dass man hier einmal einen Jesus Franco Film sieht, der eine wirklich gute Story liefert. Auch wenn dies natürlich keine Eigenleistung von Franco darstellt. Der Nachteil des Filmes: Der jämmerliche Rest. Auch wenn die Darstellerinnen und Darsteller durchaus glaubwürdig sind, macht sich schnell Langweile breit. Die Darstellerinnen fingern sich von Szene zu Szene. Nennenswerten Plottwists - welche die Eigenleistung von Franco unterstreichen könnten - oder ähnliches sucht man vergeblich. Auch sonst ist der Film relativ langatmig und zu untrashig, um als wirklicher Unterhaltungsmüll zu zählen. Die meisten Zeit passiert nämlich, bis auf ein paar Befingerungen der Gräfin (untermalt mit dem obligatorischen 70iger Synthesizer Gedudel)- fast nichts. Sogar die Spieldauer von 89 Minuten kommt einen fast unerträglich lang vor. Wer schon so ziemlich alles gesehen hat, kann hier einen Blick wagen. Für alle anderen: Es gibt wesentlich unterhaltsamen Schund von Franco den man gesehen haben sollte, bevor man sich Vampyros Lebos ansehen sollte. filmdetails

Donnerstag, 24. Mai 2018

Filmkritik: Curtains - Wahn ohne Ende (1983)

(c) Alive - Vertrieb und Marketing/DVD
Ein Puppen-Horror ohne Puppen. So könnte man Curtains - Wahn ohne Ende ganz gut zusammenfassen. Und wenn sich jemand fragt, warum ich überhaupt auf Puppen-Horror komme, der sollte ich das deutsche - aber auch das internationale - Cover einmal ansehen. Nur deshalb hab ich auf einen ähnlichen Film wie Chucky - Die Mörderpuppe gehofft. Am Ende war es jedoch ein ganz "normaler" 80iger Jahre Slasher. Die Puppe hat hier allenfalls eine Nebenrolle und besitzt nicht einmal einen eigenen Charakter. Doch mal abgesehen von der Fake-Packung - was taugt der Film sonst?
Jonathan Stryker ist ein bekannter Regisseur und casted aktuell die Besetzung für seinen neusten Film: Mit von der Party will auch diesmal die alternde Schauspielerin Samantha Sherwood sein. Da es bei der Rolle um eine wahnsinnige Killerin geht, hat Samantha sich einen ganz besonders raffinierten Plan ausgedacht: Sie lässt sich freiwillig in eine Nervenheilanstalt einliefern um von den Insassen zu "lernen" und sich optimal auf die Rolle vorzubereiten. Ok - raffiniert ist was anderes: Diese Aktion war im Nachhinein mehr als dumm, wie sich bald herausstellt. Stryker will nämlich mit Samantha nichts mehr zu tun haben. Dieser lädt sich sechs attraktive jüngere Schauspielerinnen in eine abgelegene Villa zu einem privaten "Casting", bei dem selbst Harvey Weinstein neidisch werden würde, ein. Doch nach kurzer Zeit gerät alles aus dem Ruder: Eine Schauspielerin nach der anderen wird von einem mysteriösen Killer umgebracht.
Zwei Probleme gibt es mit Curtains - Wahn ohne Ende: Erstens ist der Film zu langatmig und zweitens nimmt er sich selbst zu ernst. Obwohl es immer wieder einige gute Splatterszenen (und auch einen gewissen Spannungsaufbau gibt), kommt der Film nie wirklich in Fahrt. Dies liegt vor allem an der erwähnten Langatmigkeit. Story gibt es nämlich nicht so viel - dafür werden einige Szenen extrem ausgebaut, die weder etwas mit der Story zu tun haben - noch ansatzweise passend wären. Beispiel?
Eine Frau badet, macht sich bettfertig, schenkt sich Wein ein, legt sich ins Bett, liest etwas in einem Buch, steht wieder auf und holt nochmal Wein, geht darauf wieder ins Bett liest weiter, holt noch mal Wein und begibt sich wieder ins Bett zum Buch. Plötzlich taucht ein maskierter Mann auf und fängt an die Frau zu vergewaltigen. Noch während der Vergewaltigung nimmt der Mann die Maske ab und es stellt sich heraus, dass es ihr Freund ist, der ihr eine "Überraschung" bereitet hat. Abgesehen davon, dass die Reaktion der Frau völlig absurd ist, wird diese verwirrende Szene auf bald 5 Minuten getreckt. Wenn das Ganze noch ein wenig übertrieben mit einem Augenzwinkern gemeint wäre, könnte es durchgehen - aber genau hier liegt das Problem: Im Gegensatz zu diversen anderen Horrorfilmen (wie z. B. der erwähnte Chucky) nimmt dieser Film sich komplett ernst. Hier ist kein Ansatz von Selbtironie oder Sarksmus zu erkennen. Auf der anderen Seite reicht es jedoch auch nicht für einen ernsthaften Thriller. Der Film weiß offenbar über weite Strecken selbst nicht so genau, was er sein will. Angefangen bei dem Cover (wo jeder einen Puppenhorror erwartet) bis hin zu Story, alles wirkt wie nichts Halbes und nichts Ganzes. Für einen Filmtipp wird hier zu wenig geboten - und um als unterhaltsamer Trash durchzugehen ist er technisch wiederum zu gut gemacht. Zusammengefasst ein Film, der schwierig ist einzuordnen, in jeglicher Hinsicht. filmdetails

Samstag, 12. Mai 2018

Filmkritik: Deep Blue Sea 2 (2018)

(c) Warner Home Video - DVD
Selten gibt es Filme, deren Fortsetzungen fast 20 Jahre auf sich warten lassen. Auf Anhieb fällt mir tatsächlich keiner ein. Außer dem mir gerade vorliegenden Film natürlich: Deep Blue Sea 2. Ursprünglich schon im Jahre 2008 angekündigt, wurden sämtliche Pläne über Bord geworfen und das Projekt auf Eis gelegt. 2017 erschien dann urplötzlich ein Trailer zu der Fortsetzung des Tierhorrors mit LL Cool Jay und Samuel L. Jackson. Beide Ikonen sind diesmal allerdings nicht mit dabei.
Carl Durant, ein exzentrischer Milliardär, lebt irgendwo auf einer Insel vor Südafrika. Und wie es bei einem Menschen so ist, der alles besitzt was man sich vorstellen kann, hat auch Durant seine ganz speziellen Hobbies: Bei ihm sind es Haie. Diese will er mit einer Art Droge fügsam machen und Ihnen das Lernen lernen beibringen. Das ganz genaue Ziel von Durant ist zwar nicht klar definiert - aber hier sieht man eindeutig warum sich dieser Teil als Fortsetzung betrachtet. Intelligente Haie! Bis auf diese Parallele gibt es im Großen und Ganzen jedoch keinerlei Gemeinsamkeiten mit dem Actionfilm von 1999. Wie auch immer: Die Geschichte beginnt ein wenig wie Jurassic Park.
Misty Calhoun, eine angesehene Meeresbiologin mit dem Schwerpunkt Haien, soll gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaflern Durant bei seiner Forschung unterstützen. Im Gegenzug sichert ihnen Durant das Forschungsbudget für mehrere Jahre zu. Angesichts der knappen öffentlichen Gelder also keine Frage, dass Calhoun zusagt und nach Südafrika reist. Das dort nach nur kurzer Zeit die Experimente komplett entgleisen braucht man wohl nicht weiter erwähnen. Wie in Jurassic Park ist nämlich eines der Weibchen Schwanger.
Ok - wie man sieht wagt der Film nicht viel Neues. Man hat alles irgendwie schon einmal gesehen und/oder es ist einfach geklaut. Trotzdem: Die ersten 30 Minuten wirken gar nicht mal so schlecht. Michael Beach als irrer Milliardär gibt eine gute Rolle ab. Auch der Aufhänger ist Anfangs gar nicht so schlecht. Ab der Mitte des Filmes wird einem jedoch bewusst, wo man sich befindet: In einem Direct-to-DVD B Movie der eher unteren Kategorie. Die "Effekte" könnten in dieser Fom auch in der Stuntshow eines Freizeitpark zu bewundern sein. Besonders schlecht: Wenn die Forschungsstation "bebt" (warum auch immer), wird versucht mit einer wackelnden Kamera und herumschwankenden Leuten versucht dieser Effekt zu erzielen. Dies erinnert allerdings an die Godzilla Filme der 80iger Jahre und ist selbst in einem B-Movie von 2018 nicht mehr state of the art. Trotzdem hielt man es offenbar für einen guten (vor allem kostengünstigen) Effekt, das er gleich mehrmals eingebaut wurde. Und auch sonst: Unterhaltsam mag der Film sein (besonders als Trashfilm, wenn man ihn so annimmt) - gut ist er nicht. Miese Effekte, eine vorhersehbare Story, Darsteller die funktionieren - aber mit denen sich niemand identifizieren will. Für einen Schlefaz bzw. Trashfilmabend durchaus geeignet sollten Cineasten einen großen Bogen um dieses Machwerk machen. filmdetails
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