Montag, 21. Mai 2018

Filmkritik: Vampyros Lesbos – Erbin des Dracula (1971)

(c) ELEA-Media
Das der Regisseur Jesus Franco heißt, ist bei so einem Filmtitel nicht unbedingt unerwartet: Immerhin handelt es sich hier um eine erotische Neuauflage von Bram Stokers alltime Klassikers. Erotisch insofern, als das, was man Anfang der 70iger Jahre für erotisch hielt im Film. Also ein paar Brüste - und ansonsten ein eher plumper Softporno mit Vampiren. Und damit wäre der Bogen zu Jesus Franco wieder hergestellt: Wenn es nämlich um kinotauglichen Softsex ging (und ab und zu auch mal Hardcore Varianten für den VHS Markt) kamen Produzenten um Franco ohnehin nicht herum. Kommerziell gesehen war Franco immer ein Garant. Und so auch hier, wo Franco auch direkt sein Drehbuch beisteuern durfte. Nun ja, soviel zur Vorgeschichte.
Die Geschichte des Filmes ist - wie erwähnt - im Prinzip die klassische Dracula Geschichte. Einziger Unterschied: Alle relevanten Personen wurden durch Frauen ausgetauscht, die alle Nase lang sich frei machen. Linda (welche die Rolle des Jonathan Harker übernimmt), hat seit Monaten immer wieder den selben Traum: Eine attraktive Frau umwirbt und verführt sie. Ein Ruf aus dem Nichts, wie Linda es später selbst nennt. Ohne es genau zu wissen wieso, macht sich Linda auf den Weg die Frau zu suchen. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei der geheimnisvollen Frau um eine Gräfin, die das Blut junger Frauen zum Leben benötigt. Angekommen auf deren Schloss wird Linda in allerlei erotische Eskapaden verwickelt.
Viel eigenes hat Franco zu der Story nicht beigetragen. Die meiste Zeit orientiert sich der Film tatsächlich sehr stark an der Vorgabe. Dies hat Vor- und Nachteile: Der Vorteil ist ganz klar, dass man hier einmal einen Jesus Franco Film sieht, der eine wirklich gute Story liefert. Auch wenn dies natürlich keine Eigenleistung von Franco darstellt. Der Nachteil des Filmes: Der jämmerliche Rest. Auch wenn die Darstellerinnen und Darsteller durchaus glaubwürdig sind, macht sich schnell Langweile breit. Die Darstellerinnen fingern sich von Szene zu Szene. Nennenswerten Plottwists - welche die Eigenleistung von Franco unterstreichen könnten - oder ähnliches sucht man vergeblich. Auch sonst ist der Film relativ langatmig und zu untrashig, um als wirklicher Unterhaltungsmüll zu zählen. Die meisten Zeit passiert nämlich, bis auf ein paar Befingerungen der Gräfin (untermalt mit dem obligatorischen 70iger Synthesizer Gedudel)- fast nichts. Sogar die Spieldauer von 89 Minuten kommt einen fast unerträglich lang vor. Wer schon so ziemlich alles gesehen hat, kann hier einen Blick wagen. Für alle anderen: Es gibt wesentlich unterhaltsamen Schund von Franco den man gesehen haben sollte, bevor man sich Vampyros Lebos ansehen sollte. filmdetails

Samstag, 12. Mai 2018

Filmkritik: Deep Blue Sea 2 (2018)

(c) Warner Home Video - DVD
Selten gibt es Filme, deren Fortsetzungen fast 20 Jahre auf sich warten lassen. Auf Anhieb fällt mir tatsächlich keiner ein. Außer dem mir gerade vorliegenden Film natürlich: Deep Blue Sea 2. Ursprünglich schon im Jahre 2008 angekündigt, wurden sämtliche Pläne über Bord geworfen und das Projekt auf Eis gelegt. 2017 erschien dann urplötzlich ein Trailer zu der Fortsetzung des Tierhorrors mit LL Cool Jay und Samuel L. Jackson. Beide Ikonen sind diesmal allerdings nicht mit dabei.
Carl Durant, ein exzentrischer Milliardär, lebt irgendwo auf einer Insel vor Südafrika. Und wie es bei einem Menschen so ist, der alles besitzt was man sich vorstellen kann, hat auch Durant seine ganz speziellen Hobbies: Bei ihm sind es Haie. Diese will er mit einer Art Droge fügsam machen und Ihnen das Lernen lernen beibringen. Das ganz genaue Ziel von Durant ist zwar nicht klar definiert - aber hier sieht man eindeutig warum sich dieser Teil als Fortsetzung betrachtet. Intelligente Haie! Bis auf diese Parallele gibt es im Großen und Ganzen jedoch keinerlei Gemeinsamkeiten mit dem Actionfilm von 1999. Wie auch immer: Die Geschichte beginnt ein wenig wie Jurassic Park.
Misty Calhoun, eine angesehene Meeresbiologin mit dem Schwerpunkt Haien, soll gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaflern Durant bei seiner Forschung unterstützen. Im Gegenzug sichert ihnen Durant das Forschungsbudget für mehrere Jahre zu. Angesichts der knappen öffentlichen Gelder also keine Frage, dass Calhoun zusagt und nach Südafrika reist. Das dort nach nur kurzer Zeit die Experimente komplett entgleisen braucht man wohl nicht weiter erwähnen. Wie in Jurassic Park ist nämlich eines der Weibchen Schwanger.
Ok - wie man sieht wagt der Film nicht viel Neues. Man hat alles irgendwie schon einmal gesehen und/oder es ist einfach geklaut. Trotzdem: Die ersten 30 Minuten wirken gar nicht mal so schlecht. Michael Beach als irrer Milliardär gibt eine gute Rolle ab. Auch der Aufhänger ist Anfangs gar nicht so schlecht. Ab der Mitte des Filmes wird einem jedoch bewusst, wo man sich befindet: In einem Direct-to-DVD B Movie der eher unteren Kategorie. Die "Effekte" könnten in dieser Fom auch in der Stuntshow eines Freizeitpark zu bewundern sein. Besonders schlecht: Wenn die Forschungsstation "bebt" (warum auch immer), wird versucht mit einer wackelnden Kamera und herumschwankenden Leuten versucht dieser Effekt zu erzielen. Dies erinnert allerdings an die Godzilla Filme der 80iger Jahre und ist selbst in einem B-Movie von 2018 nicht mehr state of the art. Trotzdem hielt man es offenbar für einen guten (vor allem kostengünstigen) Effekt, das er gleich mehrmals eingebaut wurde. Und auch sonst: Unterhaltsam mag der Film sein (besonders als Trashfilm, wenn man ihn so annimmt) - gut ist er nicht. Miese Effekte, eine vorhersehbare Story, Darsteller die funktionieren - aber mit denen sich niemand identifizieren will. Für einen Schlefaz bzw. Trashfilmabend durchaus geeignet sollten Cineasten einen großen Bogen um dieses Machwerk machen. filmdetails

Samstag, 5. Mai 2018

Filmkritik: Leatherface (2017)

(c) Alive - Vertrieb und Marketing/DVD
Bei Leatherface handelt es sich bereits um den achten Film aus der Texas Chainsaw Massacre Reihe. Und genauer betrachtet handelt es sich hierbei irgendwie sogar um den ersten Teil der Reihe überhaupt: Ein Prequel zu den ursprünglichen Film von Tobe Hooper aus dem Jahre 1974. Gedreht im Jahre 2017- angesiedelt aber noch vor The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning aus dem Jahre 2006 - der 1969 spielt - beginnt Leatherface schon im Jahre 1955. Zunächst etwas verwirrend - ergibt es dennoch Sinn und passt genau in die TCM-Timeline. Doch genug der harten Daten und Fakten.
Unser Film startet dann also zehn Jahre später 1965 irgendwo in Texas und damit vor allen anderen Filmen im TCM Universum überhaupt: 
Durch einen Hinterhalt wird die Tochter des Sheriffs, Betty, in eine abgelegene Scheune gelockt: Was sie nicht ahnt ist, dass die Scheune der berüchtigten Sawyer Familie gehört - und wie zu erwarten ihre Überlebenschancen auf deren Grundstück nicht allzu hoch sein werden.
10 Jahre später: Jedidiah - ein Sohn der Sawyers, der bei dem Vorfall mit Betty damals mit gerade einmal 8 Jahren mitschuldig gesprochen wurde - ist inzwischen in einer geschlossenen Anstalt untergebracht. Als seine Mutter ihn besuchen will - jedoch wegen Streitereien mit dem Anstaltsleiter nicht reingelassen wird - kommt es zum Aufstand: Eine Gruppe von psychopathischen Straftätern entkommt in dem Durcheinander und ist auf der Flucht. Jedidiah ist einer von Ihnen. Was sie nicht wissen ist, dass Sheriff Hartman der Gruppe auf den Fersen ist: Immerhin hat er mit Jedidiah noch eine Rechnung wegen seiner Tochter offen.
Wie bei dem Titel zu erwarten geht es hier vor allem um eine Person: Leatherface. Auch wenn im Prinzip alle TCM Filme irgendwo den Hauptfokus auf ihn haben, wird dieser Film seinem Titel jedoch besonders gerecht: Dies liegt daran, dass man hier erstmals die Person "hinter der Maske" näher kennenlernt. Eine Person, die offenbar wirklich Gründe hatte, so zu werden, wie sie wurde. Zwar kann dies (zum Glück) nicht als Entschuldigung für seine Taten aus diversen Fortsetzungen dienen - jedoch als plausible Erklärung. Und Helden gibt es hier sowieso keine: Denn genauso wie die Gruppe von Straftätern bewegt sich Sheriff Hartman (gespielt von Stephen Dorff in einer seiner besten Rollen) stets außerhalb des Gesetzes. In wiefern eine Aug-um-Aug "Ermittlung" besser ist, als ein paar komplett verwirrte Jugendliche die nicht minder agressiv sind, ist fragwürdig. Nicht fragwürdig ist auf jedenfall die uneingeschränkte Empfehlung für diesen Film. Konsequent beschreibt er die Vorgeschichte der TCM Saga. Unbedingt ansehen sollte man sich auch die auf der Bluray der JK/SPIO Fassung enthaltenen geschnittenen Szenen: Besondern das alternative Ende und der alternative Anfang dürften das Herz eines jeden Fans höher schlagen lassen. Fast eine Schande, warum die alternativen Szenen es nicht in den Film geschafft haben. filmdetails
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