Donnerstag, 1. Oktober 2026

Filmkritik: Schizophren (1975)

(c) VMP

Gibt es eigentlich einen besseren Monat als den Oktober, um einen Horror- und Trashfilmblog zu reaktivieren? Ich denke doch nicht. Deshalb jetzt - nicht allzulange vor Halloween - ein kleiner Neustart für (hoffentlich) wieder regelmäßige Filmbesprechungen rund um den Bereich Horror, Trash und anderes obskures Nischenkino. Oder vielleicht auch mal Berichte von Filmevents, Börsen oder andere filmbezogene Themen, welche in der letzten Zeit alle etwas zu kurz kamen? In den letzten Jahren war es im Schnitt tatsächlich nur noch eine Rezension alle 6 - 12 Monate - ich denke das sollte besser gehen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Autor dieser Zeilen weiterhin 100 bis 150 Filme im Jahr sieht. Wie gewohnt war oder ist da natürlich viel Mist dabei (imdb Durchschnitt 4/10 ?) - aber auch dieser muss ja von irgendjemandem gesichtet werden. So gesehen: An der fehlenden Zeit kann es also nicht gelegen haben. Und die Leser? Diese kommen meistens von Google oder anderen Suchmaschinen, wenn sie nach dem einen oder anderen verlorenen Film suchen und anschließend hier landen. Eine Art digitales Filmlexikon - auffindbar über Suchmaschinen also. Geplant ist das alles natürlich weiterhin ausdrücklich ohne KI-Unterstützung: Hier wird alles "handgeschrieben" und selbstverständlich vorher auch mit menschlichen Augen begutachtet (Ja - im Jahr 2026 leider keine Selbstverständlichkeit mehr, wo sogar komplette Filmsynchros vor KI nicht sicher sind). Doch nun genug Vorwort - starten wir heute direkt mit einem kleinen dreckigen B-Movie aus den 70igern: Schizophren - aka The Love Butcher von 1975.
Gleich vorweg: Ich werde einen dicken Spoiler bringen - der jedoch auch im Film innerhalb der ersten Minuten mehr oder weniger aufgelöst wird: Ja, der Mörder ist in diesem Fall der Gärtner. Oder doch nicht? Sagen wir
teilweise - denn der deutsche Filmtitel Schizophren kommt nicht von ungefähr.
Caleb ist ein trauriger Mann mittleren Alters und geistig sowie körperlich stark eingeschränkt - damals sagte man noch "ein Krüppel" - heute wäre er behindert. Sein Job ist es für ein paar lausige Dollar die Gärten seiner Kunden (die in der Regel das Gegenteil von Caleb darstellen - also erfolgreich und schön und oft vom anderen Geschlecht) auf Vordermann zu bringen. Caleb selbst lebt alleine in einer ziemlich heruntergekommenen Bude - wobei man ihm hier keinen Vorwurf machen kann, da die schönen reichen Frauen meistens extrem knausrig sind. Außerdem hatte Caleb ursprünglich einmal einen Bruder - Lester - der bis zu seinem frühen Tod immer der Vorzeigesohn seiner Eltern war - Und hier nimmt dann die Story richtig Fahrt auf: Ganz so tot ist Lester nämlich dann doch nicht: In Calebs wirrer Gedankenwelt - meistens abends zuhause wenn er alleine ist - lebt Lester weiter, wo er Caleb regelmäßig beleidigt und demütigt. Langsam aber sicher verliert Caleb durch diese Tagtraumreisen seinen Verstand und verwandelt sich Stück für Stück mehr zu Lester. Ein gutaussehender Typ - dafür aber umso gestörter, sadistisch und gewalttätig veranlagt. Lester ist es dann, welcher der Gesellschaft das heimzahlt, was Caleb an Unrecht erfahren musste.
Dem Cover und der Story nach haben wir es hier zunächst mit einem weiteren drittklassigen Machwerk aus der tiefsten 70iger Psychohorrorschundschublade zu tun, die einige Jahre zuvor Alfred Hitchcock höchstpersönlich mit seinem legendären
Psycho geöffnet hat. Denn ganz klar sieht man hier Parallelen: Schizophrenie, Wahnvorstellungen, ein irrer Mörder. Aber reduziert man Schizophren jedoch auf ein billiges Psycho Rip-Off tut man ihm allerdings doch irgendwo unrecht. Handwerklich und schauspielerisch wird hier nämlich einiges geboten. Fangen wir bei Caleb / Lester an: Insbesondere Hauptdarsteller James Lemp liefert nämlich - für einen Lowbudget Film gesehen - eine wirklich hervorragende Leistung ab: Einmal ist er der introvertierte behinderte Caleb der Gärtner - nur um sich kurz darauf in Lester zu verwandeln der alle möglichen Rollen an: Zum Beispiel ein Sonnyboy aus Texas, der mit dem Auto liegen geblieben ist und die Frauen um den kleinen Finger wickelt. Lester hat nämlich viele Facetten - mal gibt er den Poolboy vom Wasserwerk, mal den coolen Spanier der seine LPs an den Mann (bzw. in dem Fall eher die Frau) bringen will. Alle weiteren Charaktere sind durchaus ok - hervorzuheben wäre noch der aufbrausende Polizeichef der seinen obligatorischen Streit mit der Presse austragen muss. Neben dem durchaus guten Cast können sich auch die teilweise sehr abwechslungsreichen Methoden sehen lassen, mit denen Lester seine Opfer aus dem Leben befördert: Ein Mord mit einer Grabgabel ist für den gediegenen Horrorfan sicherlich nichts Besonderes – beim Tod durch den Wasserdruck eines voll aufgedrehten Gartenschlauchs muss man dann doch zweimal hinsehen.
Zusammengefasst haben wir es bei Schizophren definitiv mit einem Vertreter der besseren Sorte diverser Psycho-Rip-Offs zu tun. Jeder, der nur ansatzweise etwas für obskureren 70iger-Jahre-Psychohorror hat, kann hier also bedenkenlos einen Blick riskieren. Für einen Klassiker langt es natürlich nicht (wie auch sonst zu erwarten), aber definitiv eine kleine Überraschung aus dem damaligen Regal der Videothek (wobei korrekterweise angemerkt der Film erst viele Jahre später auf VHS erschien). filmdetails

Samstag, 15. August 2026

Filmkritik: Demolition High (1996)

(c) Highlight Video

Lang ist die letzte Rezension her - und inzwischen macht man sich schon seine Gedanken. Ein Blog den fast keiner kennt und darüber hinaus nur einer unter hunderten ist, der sich dem Thema Filme widmet. Dazu eine KI, welche immer menschlicher schreiben kann und Rezensionen theoretisch in Sekunden erstellt. Macht es da überhaupt noch Sinn zu schreiben? Vermutlich nicht - außer, dass das Schreiben ansich ja auch noch irgendwo Spass macht. Und noch mehr Spaß macht es natürlich die ausgewählten Filmperlen vorher anzusehen. Und genau so eine Filmperle liegt mir heute vor: Demolition High. Das erste mal gesehen vor ca. 20 Jahren - irgendwie zufällig im TV - und jetzt noch einmal mit voller Aufmerksamkeit. Worum geht es also?
Kurz gesagt ist bereits der Titel eine Zusammenfassung des Films. Wie man schon in den ersten Minuten merkt ist die Story aus den tiefsten 90igern und trieft nur so von Klischees: Eine Gruppe von Terroristen überfällt ein Militärlager, stiehlt eine Rakete und verschanzt sich damit anschließend in der Provinz-Highschool von Mayfield. Der Grund dafür: Nur von hier hat man die beste Schusslinie auf den Reaktor des örtlichen Atomkraftwerkes was man bedroht zu beschießen sofern nicht ein Haufen Geld locker gemacht wird. So werden dann Lehrer und Schüler kurzerhand als Geiseln genommen - während die Polizei, das FBI und Sondereinsatzkommando außen ziemlich ratlos herumstehen. Doch keiner der Terroristen hat die Rechnung mit Lenny Slater (Corey Haim) gemacht, der es sich kurzerhand zur Aufgabe macht die Schule zu verteidigen: Der neue Schüler mit Bronx-Erfahrung startet einen Guerilla-Krieg durch die Gänge der Schule auf die John McClane neidisch werden könnte. Bei der Waffenauswahl greift er dabei - wie man erwarten kann - auf das volle Repertoire zurück was eine Schule so hergibt: Stifte, Kreissägen (aus dem Werkraum) oder Feuerlöscher. Dazu gibt er eine ganze Reihe Oneliner zum besten, die dem Setting gerecht werden wie z. B. ein Die Schule ist aus! - nachdem ein Terrorist fachgerecht aus dem Fenster getreten wurde. 
Ehrlich gesagt kann ich nicht glauben, dass Jim Wynorski hier im Ansatz irgendwas "ernsthaftes" produzieren wollte. Zu Albern und meisten unfreiwillig komisch ist das Ganze. Trotzdem passt es wunderbar in den damaligen Zeitgeist: Die Terroristen sind einfach böse - die Guten sind die Guten und ein 17 Jähriger Underdog (Corey Haim war zum Zeitpunkt des Drehs übrigens 25 Jahre alt...) mit dem keiner gerechnet hat (ok - die Zuschauer natürlich schon) metzelt im Alleingang eine ganze Bande professioneller Krimineller nieder.
Das hier keine Filmkunst geschaffen wurde dürfte jeden klar sein. Aber trotz alledem: Positiv bleibt, der Film rennt ohne Leerlauf mit hohem Tempo durch seine knappen 84 Minuten und spart nicht an Explosionen, Action-Gimmicks und brutalen (aber meistens billig gemachten) Konfrontationen. Die ganze "Die Hard in der Schule" -Mechanik funktioniert überraschend gut, weil die Terroristen - absichtlich oder nicht - eher wie Karikaturen als ernstzunehmende Gegner wirken. Und ja, trotz aller Logik-Löcher macht das irgendwie Laune, solange man nicht nach Hintergründen fragt. 
Corey Haim, der hier die Schüler Version von John McClane abgibt, liefert eine sympathische, rotzig, aufmüpfige energiegeladene Performance ab - auch wenn er doch irgendwie deutlich älter aussieht als der angeblich 17-jährige Lenny. Auch weitere Rollen wie Alan Thicke als besorgter Vater/Polizist und Dick Van Patten als General geben dem Ganzen noch einen Hauch 90iger-TV-Charme mit - was bei einer DirectToVideo Produktion sicher kein Manko darstellt. Allen voran aber gibt Melissa Brasselle als skrupellose Chef-Terroristin eine wirklich gute Figur ab - dies wird bereits schon in den ersten Minuten des Filmes deutlich gemacht. Ihr Leinwand-Tod später im Film stellt dann folgerichtig ein Highlight dar.
Fazit: Demolition High ist - wie die meisten Filme auf diesen Blog - kein Film für die cineastische Elite. Für Freunde von 90iger-Direct-to-Video-Action, die einmal ein Stirb Langsam RipOff an einer Schule sehen wollten jedoch überraschend unterhaltsam. 8/10 für das was der Film sein will. 4/10 für Leute die einen guten Film erwarten oder wenn man wirklich auf die glorreiche Idee kommen sollte den Film objektiv bewerten zu wollen. filmdetails

Freitag, 5. September 2025

Filmkritik: Karate Kid IV – Die nächste Generation (1994)

Sony Pictures Entertainment (PLAION PICTURES)
Obwohl die Mitte der 90iger inzwischen schon 30 Jahre lang her sind (Hätte ich die Rezension vor 10 Jahren geschrieben, hätte ich 20 Jahre schreiben können... doch dies nur am Rande), gab es auch damals schon Veränderungen, die einen zunächst tief skeptisch machten: Nachdem Daniel in drei Filmen vom schüchternen Außenseiter zum Karate-Champion heranwuchs, musste nämlich 1994 ein frischer Wind her: Karate Kid IV – Die nächste Generation setzt daher nicht mehr auf den alten Helden, sondern stellt uns eine neue Hauptfigur vor – die junge Julie, gespielt von Hilary Swank in einer ihrer ersten größeren Filmrollen (Die übrigens 10 Jahre später den Oscar für The Million Dollar Baby gewann - ebenfalls ein Sportfilm). Immer noch dabei ist aber immerhin der unerschütterlichen Mr. Miyagi, der spätestens ab diesen Film zur absoluten Kultfigur wurde.
Die Story ist schnell erzählt: Julie ist rebellisch, irgendwie teenagermäßig dauerhaft wütend und kämpft mit dem Verlust ihrer Eltern. In der Schule eckt sie mit ihren Mitschülern an, zu Hause versteht sie sich kaum mit ihrer Großmutter. Da kommt Mr. Miyagi gerade recht, der wie gewohnt mit Geduld, Weisheit und jeder Menge fernöstlicher Lebensweisheiten aus dem Teenager eine disziplinierte Karatekämpferin formen will. Natürlich dürfen auch in Teil 4 die obligatorischen Schulschläger nicht fehlen – diesmal in Form einer militarisierten Schülergang, die fast schon mehr nach einer Mini-Armee aussieht als nach High-School-Kids.
Das alles wirkt extrem klischeehaft – aber irgendwie gleichzeitig auch charmant (weil 90iger!). Gerade das Zusammenspiel zwischen Miyagi und Julie bringt einige witzige Szenen hervor, die den Film trotz vorhersehbarer Handlung unterhaltsam machen. Dazu kommt wie erwartet ein schönes 90iger-Setting, das heute fast nostalgisch wirkt: Baggy-Pants, Schülerdisko und eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich nicht schämt, auch mal etwas kitschig zu sein. Besonders nett ist vor allem die kleine Sidestory mit dem verletzten Falken, den Julie auf dem Schuldach pflegt – eine simple, aber wirkungsvolle Metapher für ihre eigene Entwicklung.
Trotz aller Sympathie bleibt Karate Kid IV – Die nächste Generation aber ein Film, der nie so recht aus dem Schatten seiner Vorgänger treten konnte. Die Kämpfe sind weniger eindrucksvoll, die Gegner eindimensional und die Wendungen vorhersehbar. Hilary Swank macht ihre Sache gut, ist selbstbewust und man ahnt hier scheinbar, dass sie großes Potenzial hat. Für viele Fans der Reihe war es damals aber einfach nicht das "dasselbe", da einfach mal der Maincharakter ausgetauscht wurde. Dies ist vermutlich auch ein Hauptgrund, warum der Film bei den Fans im Vergleich zu den Vorgängern nicht wirklich gut ankam und damit vorerst der letze der Originalreihe war.
Fazit: Ein ordentlicher 90iger-Jahre-Teenie-Prügler, der mit Humor, Herz und Nostalgie punkten kann, aber nie den Kultstatus der Original-Trilogie erreicht. Kein Muss, aber ein netter Film für Fans. Solide 6/10. filmdetails

Freitag, 22. August 2025

Filmkritik: The Woman in the Yard (2025)

(c)  ‎ Universal Pictures Germany GmbH
Schlichte Ausgangssituationen in einfachen Settings können manchmal die besten Filme abliefern: Ein abgelegenes Haus, eine traumatisierte Frau und etwas Unheimliches, das sich im eigenen Garten manifestiert. Mit The Woman in the Yard liefert Regisseur Jaume Collet-Serra nach Filmen wie Orphan oder House of Wax mal wieder einen weiteren Horrorfilm ab – diesmal allerdings mit einem etwas ernsteren Hintergrund.
Ramona ist eine junge Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes gemeinsam mit ihren beiden Kindern in ein einsames Landhaus zieht, um ihr Leben neu zu ordnen. Doch anstatt die langersehnte Ruhe zu finden, taucht eines Morgens eine geheimnisvolle Frau im Garten auf. Schnell wird klar: Es handelt sich nicht einfach um eine Fremde sondern um das pure Böse.
Und genau hier punktet der Film zunächst: Anfangs des Filmes wissen wir einfach nicht womit wir es zu tun haben. Die Kameraarbeit ist beeindruckend, die Bilder bedrückend schön und die Atmosphäre so dicht, dass man manchmal selbst geneigt ist in die Ecke des Zimmers zu linsen um zu prüfen, ob sich dort nicht gerade noch jemand weiteres im Raum befindet und einen anstarrt. Gerade diese erste Hälfte von The Woman in the Yard ist intensives Horrorkino, das ohne plumpe Jump Scares auskommt und durch drei gute Hauptdarsteller überzeugt.
Leider verliert sich der Film danach jedoch langsam in einem Labyrinth aus Wendungen und Unlogiken. Anstatt die Geschichte konsequent auf den Kern – die Depression (Kleiner Spoiler - bitte markieren: Die Frau im Garten scheint der innere Dämon der Hauptdarstellerin zu sein)– zu fokussieren, reiht Collet-Serra immer neue Enthüllungen aneinander. Wer ist die Frau wirklich? Ist sie real, ist sie Einbildung, oder steckt noch etwas völlig anderes dahinter? Jede Antwort wirft eigentlich neue Fragen auf, und spätestens im letzten Drittel wirkt das Ganze mehr verworren als clever. Das Finale, das eigentlich alles auflösen sollte, hinterlässt eher Ratlosigkeit als Gänsehaut.
Zusammengefasst ist The Woman in the Yard weder ein Totalausfall noch ein Meisterwerk. Atmosphärisch stark, visuell hochwertig und mit einer interessanten Grundidee ausgestattet – aber durch die Überladung der Story innerhalb der zweiten Hälfte verschenkt der Film sein Potenzial. Am Ende bleibt dann doch ein durchschnittlicher Horrorfilm, der mit weniger Ballast deutlich stärker gewesen wäre. Mein Fazit 5/10 durch verschenktes Möglichkeiten und einer eigentlich sehr soliden Grundidee. filmdetails

Donnerstag, 29. August 2024

Filmkritik: Kinder des Zorns (1984)

Manchmal im Leben erscheint der zunächst kürzere Weg im Nachhinein doch nicht der einfachere zu sein. Und manchmal – wie wir heute lernen – auch nicht der unblutigste. Bereits viele Jahre vor der Wrong Turn-Filmreihe entstand ein Horrorfilm-Franchise, dessen Grundstein mit der banalen Entscheidung der beiden Hauptfiguren Vicky und Burt begann, schlicht und einfach den falschen Weg eingeschlagen zu haben.

(c) New World Pictures
Basierend auf der Kurzgeschichte Die Kinder des Mais der Horror-Legende Stephen King wurde mit Kinder des Zorns eine Filmreihe geschaffen, die an Popularität niemals an Meilensteine wie Freitag der 13. oder Halloween herankam – aber trotzdem einige durchaus sehenswerte Perlen des Horrorkinos hervorbrachte. Klar, Anspruch, komplexe Charaktere oder eine logische Handlung muss man auch hier mit der Lupe suchen – aber wer würde behaupten, dass dies bei Freitag der 13. anders wäre?
Die Story ist – wie es sich für einen Horrorfilm gehört – schnell erzählt: Burt ist gerade mit seiner Ausbildung zum Arzt fertig geworden und der neue Job ruft. Während das junge Paar auf der Landstraße durch die endlosen Maisfelder von Nebraska fährt, erscheint plötzlich wie aus dem Nichts ein kleiner Junge. Dieser wird – wie es kommen muss – von Burt direkt mit dem Auto überfahren. Den toten Jungen inklusive seines mysteriösen Koffers nehmen sie kurzerhand mit (damals gab es schließlich keine Handys, um Hilfe zu rufen), um sich auf den Weg in die nächste Stadt zu machen und einen Sheriff zu suchen.
Zur Auswahl stehen die Kleinstadt Gatlin, 3 Meilen entfernt, und die nächstgrößere Stadt Hemingford, 19 Meilen entfernt. Der obligatorische Hillbilly-Tankwart rät dem Paar dringend, in die weiter entfernte Stadt zu fahren. In Gatlin gibt es nichts! Und die Leute dort sind religiös und mögen keine Auswärtigen!
Wie es aber kommen muss, hält sich Burt nur bedingt an diesen Vorschlag: Schon nach der zweiten Abzweigung wirft er sämtliche Warnungen über Bord und fährt kurzerhand doch nach Gatlin. Die geringe Entfernung ist einfach zu verlockend.
Dort angekommen müssen Vicky und Burt feststellen, dass es tatsächlich nichts in der Stadt gibt. Nicht mal Einwohner. Lediglich einige Kinder sind anzutreffen, die sich allerdings alles andere als normal verhalten. Als herauskommt, dass die Stadt unter der Fuchtel eines minderjährigen Sektenführers namens Isaac steht, ist es schon zu spät – ein Kampf auf Leben und Tod beginnt.
Da ich die Kurzgeschichte Die Kinder des Mais nicht kenne, kann ich keine Parallelen ziehen, inwiefern der Film der Vorlage gerecht wird. Grundsätzlich – und losgelöst von der literarischen Vorlage – ist jedoch ein solider Horrorfilm entstanden, der vor allem Genre-Fans gefallen dürfte. Besonders hervorzuheben ist, dass das Böse in Form unschuldiger Kinder daherkommt, was sich von anderen Franchises der damaligen Zeit abhebt, in denen meist überdurchschnittlich große, maskierte Killer wie Jason, Leatherface oder Michael Myers ihr Unwesen trieben.
Unabhängig davon stehen die Kinder den erwachsenen Killern in Sachen Mord und Totschlag jedoch in nichts nach. Passend zur Thematik des Mittleren Westens und der dort ansässigen Landwirtschaft greift der Film auf landwirtschaftliche Mordwerkzeuge wie Sensen oder Sicheln zurück – ein Markenzeichen, das in den Fortsetzungen immer wieder aufgegriffen wird. Für Horrorfans uneingeschränkt zu empfehlen vergebe ich 8/10 Sicheln. filmdetails

Samstag, 14. Oktober 2023

Filmkritik: Wrong Turn 2: Dead End (2007)

(c)  Constantin Film AG
Gar nicht mal so selten gibt es das Phänomen, dass der zweite Teil einer Filmreihe besser als der erste Teil ist. Oder für viele Fans sogar als bester Film der ganzen Reihe zählt. Aliens gehört zum Beispiel dazu. Oder auch Terminator 2 und Zurück in die Zukunft 2. Ganze Listen findet man hierzu im Internet. Doch bevor jetzt jemand in Euphorie ausbricht: Wir schauen uns heute Wrong Turn 2 an. Ein Film, der definitiv nicht besser ist als das Original - und vielleicht sogar den schwächsten Teil der Reihe darstellt. Zumindest in der ersten Hälfte, doch dazu später mehr.
Wie bei jedem halbwegs (finanziell) erfolgreichen Horrorfilm wurde natürlich auch bei Wrong Turn über eine Fortsetzung nachgedacht. Mit 12 Millionen Dollar Produktionskosten und 28 Millionen Dollar Einnahmen in den Kinos war Teil 1 zwar kein Mega-Erfolg wie ein Freitag der 13. aber immerhin sein Geld wert. Die Zweitvermarktung am Videothekenmarkt war hier nicht einmal mit eingerechnet. Absehbar also, dass diese Marke nicht in der Schublade verstauben durfte. Einen großen Unterschied zu Teil 1 gab es dann allerdings doch: Gestartet ist der Film 2007 dann nicht mehr am risikobehafteten Kinomarkt, sondern im sicheren Hafen Direct-to-Video.
Die Story ist - wie üblich fürs Genre - schnell erklärt: "The Ultimate Survivalist - The Apocalypse" heißt eine neue Survival-Show fürs Pay-TV, bei der sechs Kandidaten für sechs Tage in einem abgelegenen Waldstück in West Virginia ausgesetzt werden. Diverse Fallen wie Bewegungssensoren, welche Alarme auslösen, erschweren den Teilnehmern das "Überleben" in den Wäldern und bedrohen ihr fiktives Leben bzw. entscheiden über das Ausscheiden in der Show. Doch bereits zu Beginn wird deutlich, dass der Name der Show Programm ist und absolut ernst genommen werden sollte: Denn nicht nur die "virtuellen" Fallen der TV-Produzenten haben es auf das Leben der Teilnehmer abgesehen. Bereits bei der Anreise wird die renommierte TV-Persönlichkeit Kimberly Caldwell (sie sollte eigentlich als Star-Kandidatin dabei sein) von den irren Inzuchts-Kannibalen aus Teil 1 attackiert. Selbsterklärend, dass ab jetzt ein Teilnehmer nach dem anderen auf der Liste der Kannibalen steht.
Was macht nun eine gute Fortsetzung eines Films aus? Diese Frage stellten sich die Macher von Wrong Turn 2 offenbar nicht. Weder die Grundidee wurde hier sinnvoll fortgesetzt, noch wurden interessante Charaktere weiterentwickelt (ok, was zugegebenermaßen schwer fallen dürfte, da in Teil 1 ohnehin fast alle sterben mussten). Besonders schwierig macht es der Film den Zuschauer in den ersten 40 Minuten indem es - abgesehen vom spektakulären Tod im Intro - herzlich wenig zu sehen gibt. Ein bisschen Camcorder-Geruckel, ein paar dämliche Dialoge oder gar komplett sinnlose Dialoge. Dann, knapp nach der Hälfte des Films, zieht es an: Die Mordfrequenz wird höher, die Effekte härter und die Atmosphäre düsterer. Ein gut gemachtes Finale entschädigt am Schluss sogar für die erste Hälfte des Films. Zusammengefasst sicherlich kein guter Film - jedoch kurzweilige Unterhaltung, die Komplettisten von Filmreihen nicht auslassen sollten. filmdetails

Dienstag, 26. September 2023

Filmkritik: Wrong Turn (2003)

Anlässlich der letzten Filmbörse in Neu-Isenburg am Wochenende soll an dieser Stelle endlich mal wieder eine Rezension erscheinen. Herhalten wird dafür ein inzwischen fast zum Kult-Klassiker gewordener Backwood-Slasher-Film: Wrong Turn. Da Corona ja mittlerweile vorbei ist bzw. keinen nennenswerten Einfluss auf das öffentliche Leben mehr hat, und damit die Termine von Filmbörsen wieder verlässlich und regelmässig stattfinden, meinte Alexander, dass dies doch DIE Gelegenheit wäre, den Blog aus dem Sommer-/Winterschlaf zu holen. Gesagt, getan: Unsere Liste der Filme, die wir am Wochenende besorgen wollten, war lang. Die Betonung liegt an dieser Stelle jedoch eindeutig auf  wollten - denn die tatsächlich erworbenen Filme waren größtenteils komplett andere als die unserer Liste (immerhin war dafür der eine oder andere Blindkauf dabei). Umso erfreulicher, dass wir immerhin bei der Wrong Turn Complete Collection von Nameless Media fündig wurden. Wobei es mit "Complete" ja immer so eine Sache ist, da tatsächlich schon ein siebter Teil in der Mache ist. Auch das Reboot ist in der Box nicht enthalten. Aber so gesehen dürfte man sich ja niemals Filmboxen holen. Hat ein Film - gerade im Horrorbereich - in irgendeiner Weise das Geld wieder eingespielt (und sei es im Stream oder per Bluray Verkäufe) ist eine Fortsetzung gesetzt. Oder ein Remake. Oder Reboot. Irgendwas kommt immer, was im Grunde ein ungeschriebenes Gesetz ist. Wir schauen uns heute den ersten Teil der Reihe an. Kritiken zu den durchwachsenen Teilen 6 und 5 sowie dem unsäglichen Reboot gab es übrigens bereits auf diesem Blog.

(c) Summit Entertainment, (c) Constantin Film

Wrong Turn von 2003 dürfte nach den eher durchschnittlichen (aber für Horrorfans trotzdem unterhaltsamen) Fortsetzungen mit Abstand der beste Teil der Reihe sein. Interessanterweise hatte die FSK diesen Film damals ungeschnitten ab 16 freigegeben - was angesichts der gebotenen Brutalität sehr ungewöhnlich war. Die Story ist übersichtlich:
Unser Hauptdarsteller, Chris Flynn, ist gerade auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch, als er in eine Vollsperrung der Interstate gerät. Dummerweise hat er nicht mehr viel Zeit bis zum Termin, weshalb er kurzerhand eine Abkürzung durch den Wald nimmt. Abgelenkt beim Fahren, crasht er auf dem unübersichtlichen Waldweg in das Auto einer kleinen Gruppe Mittzwanziger, welche zuvor auf dem Weg liegen geblieben sind. Wobei "liegen geblieben" etwas untertrieben ist - irgendein Idiot hat doch tatsächlich einen Stacheldraht quer über die Straße gespannt, weshalb gleich mal 2 Reifen dran glauben mussten. Jetzt steht die Gruppe mit dem neu dazugestoßenen Chris nun gleich mit zwei schrottreifen Autos irgendwo im dichten Wald Nordamerikas. Dass es dort keinen Handyempfang gibt ist selbstverständlich obligatorisch. Was nun beginnt kann man sich denken: Der Stacheldraht war selbstverständlich kein Zufall sondern der Plan einer degenerierten Inzuchts-Hillbilly-Gruppe, Touristen zu stoppen um anschließend Jagd auf sie zu machen.
Klar - storytechnisch hat Wrong Turn schon damals nichts neues geboten. Im Prinzip handelt es sich nur um eine weitere Interpretation vom Texas Kettensägen Massaker. Eine Gruppe junger Erwachsener stößt auf irre Bergmenschen. Gleichzeitig ist der Film aber handwerklich derart gut gemacht, dass Wrong Turn nach nunmehr 20 Jahren eindeutig als Genreklassiker gezählt werden darf. Nicht zuletzt die Spezialeffekte von Stan Winston sorgen dafür, dass dieser Film einem lange im Gedächtnis bleibt und es immer wieder Spass macht, ihn aufs neue zu sehen. Die frühen 00er Jahre waren ohnehin eine interessante Zeit: Viele Regisseure experimentierten damals mit noch weitestgehend unausgereiften CGI Effekten. Auch Wrong Turn hat hiervon einige - die aber (und das ist der Unterschied zu einigen anderen Filmen aus der Zeit) sehr gut gelungen sind. Sehr interessant dazu sind die auf der Bluray enthaltenen Extras, in denen auch Stan Winston ausführlich zu Wort kommen kann.
Kurz gesagt: Wrong Turn ist ein rundum gelungener Horrorfilm, der jedem Fan des Genres uneingeschränkt empfohlen werden kann. Sollte irgendjemand den Film noch nicht kennen, kann er es hiermit nachholen. Und alle anderen können den Film ruhig noch ein zweites mal sehen. Oder ein drittes mal. Oder viertes...  filmdetails

Donnerstag, 23. März 2023

Filmkritik: Orphan: First Kill (2022)

(c) StudioCanal

Orphan von 2009 sollte eigentlich jeder Horrorfilm-Fan kennen und ist - obwohl gar nicht mal so alt - schon fast ein neuer Klassiker im Genre. Umso erstaunlicher, dass es 13 Jahre gedauert hat, bis er endlich eine Fortsetzung spendiert bekommen hat. Gerade im Horrorgenre dauert es in der Regel nur wenige Jahre bis eine Fortsetzung kommt (sofern natürlich der erste Teil genügend Geld in die Kassen gespielt hat). Nicht selten entstehen Filmreihen mit 5 oder mehr Filmen wie Saw, The Purge, Halloween, oder Wrong Turn - die Liste ist lang. Über die Qualität der Fortzsetzungen kann man sich zwar oft streiten, solange aber die Zuschauer im Kino oder Stream es schauen und es Fans dicker Filmboxen gibt, stehen Prequels, Sequels oder Reboots selten etwas im Weg.
Das Orphan 2009 sogut ankam lag nicht nur daran, dass die Story erfrischend anders war als bei den gängigen Filmen zur der Zeit (Thema: Dämonen, Zombies), sondern vor allem an der beim Filmdreh erst 10 Jahre alten Isabelle Fuhrman die eine für ihr Alter überragende schauspielerische Leistung abgeliefert hatte.
An dieser Stelle eine Warnung: Der zweite Teil Orphan: First Kill - um den es hier geht - spielt zeitlich gesehen vor dem Eingangs erwähnten ersten Teil. Dadurch kann es folglicherweise zu Spoilern von Teil 1 kommen. Wer Teil 1 noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle am besten abbrechen und direkt den Film sehen.
Wir schreiben das Jahr 2007: Irgendwo in Estland, weit Abseits der Zivilisation, steht eine Nervenheilanstalt für Schwerverbrecher. Untergebracht ist dort auch Leena, eine 31 Jährige Frau. Neben ihrer unnatürlichen Agressionen leidet Leena an einer seltenen Drüsenkrankheit, welche dafür sorgt, dass sie sich trotz ihres Alters noch im Körper eines Kindes befindet. Diese Kombination führt dazu, was kommen muss: Klar unterschätzt bahnt Leena sich mit Gewalt den Weg aus der Nervenheilanstalt in die Freiheit. Über eine Täuschung gelangt Sie kurz darauf schon in die USA und nimmt die Identität der kleinen Esther an, einem seit einigen Jahren verschwundenen Kind. Nichts ahnend nehmen die vermeintlichen Eltern die kleine Esther (so ihr neuer Name) in die Familie auf. Als es vermehrt zu unerwarteten Todesfällen im Familienumfeld kommt ahnt zunächst nur ihr neuer Bruder, mit wem die Familie es hier zu tun hat.
Obwohl man über weite Strecken gut unterhalten wird, merkt man beim Ansehen relativ schnell die zwei Hauptprobleme des Filmes. Erstens, dass Isabelle Fuhrman (die in Wirklichlichkeit gottseidank nicht an so einer Drüsen-Krankheit leidet, welche sie optisch nicht altern lässt) wesentlich älter als im ersten Teil ist, nämlich 13 Jahre und damit 23 Jahre. Nicht wirklich alt, aber trotz spezieller Filter, Kameraperspektiven usw. wirkt sie eben alles andere aber nicht mehr wie sieben Jahre. Sieben Jahre deshalb, weil das Prequel nochmals zwei Jahre vor Orphan spielt, wo Esther neun Jahre alt ist. Rechnet man nicht nach und akzeptiert es einfach, kann man über diesen Kritikpunkt jedoch hinwegsehen, da Fuhrman immer noch eine sehr gute Schauspielerin ist und perfekt auf diese Rolle passt. Und bevor die Frage aufkommt, wieso die Produzenten ein Prequel einer Fortzsetzung vorgezogen haben, wo Esther auch im Film älter wäre: ACHTUNG SPOILER: Sie ist im Teil 1 gestorben, weshalb es ohne Michael Myers Kräfte unmöglich wäre eine plausible Story für eine Fortsetzung zu entwickeln.
Der zweite Kritikpunkt bezieht sich auf die Story des Filmes - zumindest am Anfang. Bis knapp zur ersten Hälfte schienen mir fast alle Handlungen der Charaktere absolut vorausschaubar. Die Kehrtwende gibt es dann aber ganz nach Lehr-Drehbuch exakt nach einer Stunde. Was hier genau passiert wird an dieser Stelle natürlich nicht erzählt, es sei jedoch gesagt, dass der Film ab diesen Moment noch einmal richtig unterhaltsam wird.
Zusammenfast lässt mich der Film etwas gespalten zurück: Auf der einen Seite ist technisch natürlich alles richtig gemacht. Neben der schon mehrmals erwähnten Fuhrman spielen auch die anderen Schauspieler - darunter Rossif Sutherland - Sohn von Donald Sutherland - überzeugend ihre Rollen. Neben der Anfangs vorausschaubaren Story sind es auch einige Spezialeffekte die einen etwas irritiert zurücklassen. Beispielsweise ist Esther nach jedem Angriff auf einen anderen Menschen (egal mit welcher Waffe) komplett blutbespritzt. Dies sind Szenen, wo man sich nicht sicher ist, ob der Film bewusst trashig sein will oder ob dies gruselig wirken soll. Schaut man über solche Kleinigkeiten hinweg bleibt allerdings ein gut gemachter - knapp überdurchnittlicher Horrorfilm -  der allerdings Teil 1 niemals das Wasser reichen kann. Dafür das 13 Jahre vergangen sind hätte man sich etwas mehr erhofft. Meinz Fazit stabile 6/10 und zum einmaligen Ansehen für Fans von Teil 1 auf jeden Fall geeignet. filmdetails

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Filmkritik: Jeepers Creepers: Reborn (2022)

(c) 101 Films / Splendid Film
Ganz still und heimlich ist vor einigen Wochen ein neuer Jeepers Creepers Film in die Kinos gekommen. Genau genommen bereits der vierte Teil der Reihe. Warum der Film nicht großartig beworben wurde erkärt sich schon in den ersten Minuten des Filmes von selbst. Spoiler vorweg: Es hat offenbar mit der (meiner Meinung nach) praktisch nicht vorhandenen Qualität des Filmes zu tun.
Doch der Reihe nach: Um die Story zu verstehen muss man wissen, dass sich der Film selbst als eine Art Meta-Film sieht. Innerhalb des Films werden anfangs die ersten drei Jeepers Creepers Filme erwähnt und es gibt Anspielungen an andere bekannte Horrorfilmreihen.
Abgesehen davon ist die Story Standard: Ein junges Pärchen - Laine und Chase - wollen zu einer Horror-Convention nach Louisiana. Während sie eher die nüchterne Skeptikerin ist, ist Chase absoluter Horrofilm-Nerd und besessen von der Urban-Legend des Jeepers Creepers, welcher alle 23 Jahre aufwacht um für 23 Tage lang zu töten. Natürlich ist es kein Zufall, dass das Horrorfestival genau in dieser Gegend stattfindet, wo der Creeper angeblich sein Unwesen treiben soll. Angekommen beim Festival treffen die beiden Stadtmenschen auf diverse skurrile Personen. Angefangen bei einer seltsamen Voodoo-Mama, die alte Karten verkauft (Das Festivalgelände ist komischerweies mit einem normalen Navi nicht zu finden), bis hin zu einem Redneck, der am Schluss noch eine wichtige Rolle spielen soll. Wer natürlich auch nicht fehlen darf ist der Creeper selbst, der es sich natürlich nicht nehmen lässt sich ebenfalls unter das Cosplay spielende Publikum des Festivals zu mischen. Natürlich mit ganz anderen Absichten als die harmlosen Horrorfilm-Nerds, die hier nur Bier trinken und Musik hören wollen .
Zunächst würde ich an der Stelle auf die positiven Punkte des Filmes eingehen. Diese zu finden, ist jedoch sehr schwierig. Man kann vielleicht notieren, dass keine Mikrofone ins Bild hängen und die Darsteller verständliches Deutsch reden sowie die Story gut zu verstehen ist (was nicht bedeutet, dass sie Sinn ergibt). Das war es aber auch schon, da der Rest des Filmes meiner Meinung nach ein filmischer Super-GAU geworden ist.
Den meisten Respekt bei Jeepers Creepers: Reborn kann man vielleicht noch vor dem deutschen Vertrieb von Splendid Film haben, die es tatsächlich vollbrachten einen Film - der sich durchweg auf Asylum-Niveau bewegt - in die deutsche Kinos zu bringen. Was wiederum Regisseur Timo Vuorensola geritten hat (der mit Iron Sky vor 10 Jahren mit wenig Budget einen sehr unterhaltsamen Film geschaffen hat) so etwas zu verantworten kann nur er selbst beantworten. Auch, dass niemand beim Testscreening bermerkt hat, was für ein unterirdischer Trash Jeepers Creepers: Reborn geworden ist, kann ich irgendwie nicht glauben.
Doch was genau ist jetzt so schlecht? Hier gibt es mehrere Ursachen, fangen wir mal an: Laut dem englischen Wikipediaeintrag zu dem Film, hat das Budget gerade einmal 2 Millionen Dollar umfasst. Für einen Kinofilm viel zu wenig, wenn man überlegt, dass es aktuell Serien gibt, die pro Folge um ein vielfaches an Budget besitzen.
Dazu kommt, dass ursprünglich zwar an original Schauplätzen in Louisiana gedreht werden sollte, aufgrund der Corona-Pandemie jedoch das komplette Filmset ins Studio nach England umziehen musste. Dies wäre zumindest eine Erklärung dafür, dass der Film extrem unecht wirkt und es CGI Effekte an Stellen gibt, die keinen Sinn machen (Warum sollte man z. B. sonst einen Friedhof oder ein Waldstück in CGI nachbauen, anstatt einfach an realen Plätzen zu drehen). Der Film wirkt optisch nicht viel besser, als wie ein vor dem Greenscreen gedrehtes PC-Spiel von Sierra aus den 90iger Jahren. Dies wäre vor dem Coronahintergrund sowie dem niedrigen Budget vielleicht noch entschuldbar. Nicht entschuldbar sind allerdings diverse Filmfehler (Chase kauft sich z. B. eine Schweinshaxe zum essen, in der nächsten Kameraeinstellung hat er sie nicht mehr in der Hand), Logikfehler oder absolut nicht nachvollziehbare Charakterentscheidungen. Laine, die zum Beispiel mit dem ganzen Horrorfilmthema rein überhaupt nichts anfangen kann, macht auf einmal beim Cosplay sowie bei einer Verlosung mit, wo man eine Nacht in einem Escaperoom-Horrorhaus verbringen kann.
Das der Film selbst auf einer Metaebene spielt - und nicht wie die original Teile im Jeepers Creepers Universum - kann Hoffnung machen, dass irgendwann noch einmal ein richtiger Teil 4 ensteht - wobei der sehr mäßige Teil 3 auch nicht der Maßstab für eine Fortsetzung sein sollte. Würde es keinen weiteren Teil geben, wäre dies aus aktueller Sicht kein Verlust für das Franchise. filmdetails

Montag, 27. Juni 2022

Filmkritik: Top Gunner - Die Wächter des Himmels (2020)

(c) The Asylum
Schnelle Jets, coole Action und waghalsige Piloten. Wer aktuell nach langer Durststrecke mal wieder einen überragenden Fliegerfilm sehen will, kommt mit Top Gun: Maverick voll auf seine Kosten. Nachteil: Das Spektakel mit Tom Cruise findet aktuell ausschließlich im Kino statt und kostet im Abendprogramm mit optionalen D-Box Sessel rund 20 Euro. Die obligatorischen Popcorn, Nachos und Biere nicht mal mit eingerechnet. Auch wenn sich der Film lohnt (meiner Meinung nach der beste Film des Jahres bis jetzt) ist man mit dem Asylum Mockbuster Top Gunner buchungstechnisch selbstverständlich wesentlich günstiger dran. Entweder direkt bei Amazon Prime in der Flat aktuell umsonst enthalten oder für nen Fünfer auf Bluray zahlt man hier nur einen Bruchteil gegenüber dem aktuellen Meisterwerk im Kino. Klar ist mit den entsprechenden Abstrichen in Story, Effekten, schauspielerischen Leistungen und Drehbuch muss man rechnen - aber Hey - die Grundidee ist fast die gleiche. Sogar einige Dialoge wurden praktischerweise mehr oder weniger einfach übernommen.
Die Story ist - nunja - noch etwas simpler und hanebüchener als die ohnehin schon nicht besonders anspruchsvolle Story des Originals. Die Story von Top Gunner sieht folgendermaßen aus: Auf einer supergeheimen Trainingsbasis der US Air Force trainiert die Fliegerelite von morgen. Dummerweise notlandet genau dort ein Flugzeug einer ebenfalls supergeheimen Spezial-Einsatztruppe der Air Force. An Bord dieses Flugzeugs (das übrigens ein geheimer Prototyp ist - wer hätte das gedacht) befindet sich ein (natürlich auch streng geheimer!) Biokampfstoff. Doof nur, dass obwohl alles von vorne bis hinten total geheim ist, die Russen von der Biowaffe Wind bekommen haben und nun Jagd auf die Rookies machen. Jetzt liegt es also an den pseudocoolen sowie unfreillig komischen bzw. strunzdummen Nachwuchsfliegern dafür zu sorgen, dass diese Superwaffe nicht in die Hände der Kommunisten gerät. Wie man ahnen kann passt sich die Story wunderbar an den Rest des Filmes an und kratzt damit (wie auch die Effekte und Darsteller) an der unteren Niveau-Grenze des gerade noch zumutbaren Trashs.
Fun Fact: Wie zu erwarten wollte The Asylum pünktlich zur Veröffentlichung von Maverick einen passenden Top Gun Mockbuster herausbringen. Da Maverick aber eigentlich bereits 2020 abgedreht war - und der Kinostart nur wegen der CoVid-19-Pandemie verschoben wurde - lies sich auch The Asylum entsprechend Zeit mit dem Release in Europa. Irgendwann packte sie allerdings die Ungeduld und 2021 (mitten in der Pandemie) erschien das Machwerk im Stream sowie Bluray. Das dies aus guten Gründen keiner so richtig mitbekommen hat ist klar, hielt aber The Asylum nicht davon ab eine Fortsetzung zu produzieren, nachdem Maverick verschoben wurde. Dieser Film - Top Gunner: Shadow Zone wurde in den USA im Zuge der Kinovermarkung von Maverick bereits rausgebracht. Wer entsprechend schmerzbefreit oder abgestumpft von Schlefaz ist, kann sich also auf die eingedeutschte Fortsetzung von Top Gunner 2 freuen. Das Release soll im Spätsommer sein und wird damit vermutlich relativ zeitgleich zur Bluray Veröffentlichung von Maverick anstehen, in der Hoffnung seitens The Asylum das hier irgendeine arme Seele nicht genau hinschaut und sich anstatt Maverick ausversehen Top Gunner 2 im Stream bucht. filmdetails

Freitag, 27. Mai 2022

Filmkritik: Seedpeople (1992)

(c) 1992 Full Moon Entertainment
In den 80iger und 90igern stand die Firma Fullmoon Entertainment von Puppet Master Schöpfer Charles Band praktisch als Synonym für billig gemachte B-Movies jeglicher Genres. Das was Roger Corman für die 60iger und 70iger Jahren vertrat führte Band irgendwie in den 80iger und 90igern Jahren fort: Massenproduktionen am Fließband, eher selten fürs Kino - meisten (dank damals neuster Technik) direkt auf Video. Nichts wurde ausgelassen, so wundert man sich nicht einmal wirklich, dass auch das übersichtliche Genre des Pflanzenhorrors hier eine Heimat fand. Die Idee das Pflanzen gewalttätig werden war zwar nicht neu - wie Tanz der Teufel schon über 10 Jahre früher ausführlich bewies - einen ganzen Film auf dem Thema aufzubauen hingegen schon. Aber nicht, dass man jetzt erwartet Fullmoon Entertainment hätte hier komplett eigene Initiative gezeigt: Geklaut wurde selbstverständlich bei diversen anderen Filmen, allen voran Critters - doch dazu später mehr.
In der Kleinstadt Comet - die ihren Namen einer Höhlenmalerei verdankt - passieren seltsame Dinge. Menschen drehen durch oder verschwinden. Als dann noch ein riesiger Samen einer unbekannten Pflanze gefunden wird, ist Tom Baines alles klar: Eine scheinbar außerirdische Pflanze infiziert mit ihren Sporen die Einwohner, die anschließend nicht mehr Herr ihrer Sinne sind. Zusammen mit dem durchgeknallten Doc Roller - der schon lange vor der Gefahr warnt, den aber zurecht niemand ernst nimmt - macht er sich auf die Suche nach der Plantage, wo sich die Keimquelle der pflanzlichen Gefahr befindet.
Um es auf den Punkt zu bringen: Der Film wirkt (und ist) von vorne bis hinten billig. Angefangen bei der 90iger Jahre Serien-Ästhetik (von den grellen Farben und schlieren würde man vermuten, dass der Film wie damalige Serien auf Video aufgezeichnet wurde anstatt auf Film), den unterirdischen Effekten bis hin zu den drittklassigen Darstellern sowie einer unterdurchschnittlichen Story. Dazu kommt, dass die wenigen Highlights im Film - wie zum Beispiel der Auftritt der Monster - geklaut sind, allem voran bei dem Überraschungserfolg Critters. Nicht nur, dass die Monster sich ebenfalls rollend fortbewegen - sie stammen natürlich auch aus dem Weltall. Dafür verschießen sie keine Stacheln, sondern schleimen ihre Opfer ein. Nebensächlich wird dabei fast, dass die Waffe gegen die Aliens Ultraviolettes Licht sein soll - was in dem Film für Menschen aus unerklärlichen Gründen in Blau sichtbar ist. Zusammengefasst: Seedpeople ist eine Trashperle die man durchaus gesehen haben sollte. Zum mehrmaligen ansehen sicher nicht unbedingt geeignet (sollte ein Mediabook existieren oder erscheinen würde ich abraten) taugt der Film für eine einmalige abendliche Unterhaltung auf jeden Fall. filmdetails

Donnerstag, 17. März 2022

Chucky - Die Serie Staffel 1 (2021)

(c) 2021 SYFY

Nun ist sie rum, die Ausstrahlung der ersten 8 Folgen in Deutsch der (zumindest bei Horrorfans) lang erwarteten Serienadaption zu Chucky - Die Mörderpuppe. Ein guter Anlass nach längerer Zeit das Ganze mit einer kleinen Rezension zu würdigen. Um es vorweg zu nehmen - die Serie ist durchaus gelungen - hat jedoch einige Schwächen und Längen auf welche ich später eingehe. Wer die Serie noch nicht gesehen hat kann erstmal bedenkenlos weiterlesen - wie bei den meisten Rezensionen in diesem Blog wird auf grobe Spoiler gänzlich verzichtet. Streamen kann man die Serie aktuell über den Anbieter SYFY. Worum geht es also in der ersten Staffel?
Nun ja - es handelt sich ja um eine Serie. Daher wird jeder Charakter deutlich länger eingeführt als bei den Chucky Filmen. Netterweise sind sogar einige bekannte Gesichter aus Chucky Filmen dabei, die relativ geschickt in die Serie eingewoben wurden.
Die Story an sich könnte in extrem abgekürzter Form auch innerhalb eines Chucky Films untergebracht werden: Jake ist 14 Jahre und lebt zusammen mit seinem Vater ein etwas bedauerliches Leben. Seine Mutter ist bereits gestorben, sein Vater zwischenzeitlich zum Alkoholiker geworden. Als ob das nicht reicht findet Jake heraus, dass er homosexuell ist - was seinen Vater ganz und gar nicht passt und alles in seinem Leben noch komplizierter macht. Sein Wunsch ist es nach der Highschool (wo er aktuell gemobbt wird) auf die Kunsthochschule zu gehen. Auch aus diesem Grund interessiert er sich für Puppen, aus denen er teils surreale Kunstwerke schafft. Hierfür sucht er regelmäßig die Flohmärkte und Garagenverkäufe der Gegend nach Material ab, welches er in seinen Skulpturen verbauen kann. Wie es kommen muss, findet er bei einen seiner Streifzügen eine Good Guy Puppe - oder, wie wir die Puppe mit den teuflisch roten Haaren besser kennengelernt haben - einen Chucky. Ohne böses zu ahnen nimmt er die Puppe mit nach Hause und der Horror nimmt seinen Lauf. Chucky macht sich wie erwartet selbstständig und meuchelt sich durch die komplette Kleinstadt Hackensack. Nur Jake kennt zunächst das grausame Geheimnis um Chucky und stößt auf taube Ohren. Eine Puppe die Leute umbringt? Unmöglich. Vielmehr wird er sogar selbst verdächtigt mit den Taten im Bezug zu stehen. Nur sein heimlicher angebeteter Devon - der passenderweise einen Podcast über grausame Verbrechen in Hackensack betreibt - schenkt Jake glauben.
Fazit - Gute Serie mit kleinen Schwächen. Für Chucky Fans jedoch Pflichtprogramm.
Wer ab hier weiterlesen will:
ACHTUNG SPOILER

Jake und Chucky (c) SYFY
 Wer die Serie noch schauen will an der Stelle nicht weiterlesen, da ich auf den einen oder anderen Handlungsverlauf eingehen werde. Es wird zwar keine großen Spoiler geben (Wer am leben bleibt, wer stirbt oder ähnliches) - jedoch wird der Handlungsverlauf ein wenig vorweg genommen.
Nach dem - meiner Meinung nach - sehr starken Auftakt der Serie nimmt diese leider zur Mitte hin etwas die Fahrt raus. Während Chucky Anfangs viel Screentime und der Horror im Vordergrund stand, entwickelt sich die Serie in den Folgen 5 und 6 ein wenig Richtung Beziehungsdrama zwischen Jake und Devon. Es ist offenbar dem Zeitgeist geschuldet etwas Queeres einzubauen, wirkt aber in einer Serie um eine mordende Puppe unpassend und plakativ. Falls der Gedankengang der Autoren war, dass Chucky - analog zu Chuckys Baby - wieder jemand als schwul und Weichei tituliern kann, war es kein besonders guter Kniff. Gegen Ende wird jedoch alles mit einem gut gemachten Finale gerettet und auch die Aussicht auf - die bereits angekündigte - 2te Staffel gegeben. Der Bodycount sowie Brutalität ist für eine TV Serie relativ hoch und steht den Filmen in nichts nach. Besonders hervorzuheben ist, dass die Serie offenbar weitgehend auf CGI verzichtet und Chucky oft mit Animatronics dargestellt wird. Dies hebt sich eindeutig positiv vom aktuellen Trend ab, alles über Computereffekte zu regeln. Sollte es sich hierbei nicht um Puppen sondern um CGI handeln: Respekt an die Macher! Doch wird hier scheinbar weitgehend tatsächlich von Hand gesplattert und echtes Kunstblut in Strömen verschüttet. Die Serie ist damit für Chuckyfans im großen und ganzen eine Empfehlung. Wer schon mit den Filmen nichts anfangen konnte, wird mit dieser Serie sicher nicht warm werden. seriendetails

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Amazonia – Kopfjagd im Regenwald (1985)

(c) XT Video

Amazonia - Kopfjagd im Regenwald ist mit Sicherheit nicht der erste Film in den letzten Jahren, welcher von der FSK eine relativ freizügige Neubewertung erhalten hat: Kein Kunstwerk, verrohend, sittliche Gefährdung und sozialethische Desorientierung waren 1987 die ursprünglichen Gründe für eine Indizierung des 1985 erschienen Werkes. Hingegen locker sah man es allerdings zuletzt: 2012 erstmal runter vom Index wurde er 2021 neu bewertet und direkt ab 16 freigegeben. Nicht schlecht für einen Film der ursprünglich nur unter der Ladentheke oder im Ausland erhältlich war. Doch nicht nur die neue Altersfreigabe (für mich ist er immer noch mindestens FSK 18) von Amazonia treibt einen Fragezeichen ins Gesicht: Noch komplizierter wird es, wenn man sich mit dem Filmtitel auseinander setzt: Schiave bianche - Violenza in Amazzonia, wie er im Original heißt, wurde in Deutschland neben dem Namen Amazonia - Kopfjagd im Regenwald auch unter Cannibal Holocaust 2 bzw. Amazonia – Die Katherine Miles Story vermarktet. XT Video brachte 2008 letztendlich den Film noch einmal unter dem Zwitter-Titel Cannibal Holocaust 2 - Die Catherine Miles Story heraus - was ein guter Kompromiss ist, aber die Verwirrung perfekt macht. Ein Film, mindestens vier deutsche Titel und die sich aufdrängende Frage: Was hat der Film mit Cannibal Holocaust zu tun? Okay, nix. Rein überhaupt nix. Der Grund den Film unter anderem als Cannibal Holocaust 2 zu vermarkten war offenbar rein kommerzieller Natur. Das Positive an der Stelle: Tierfreunde können aufatmen und weiterlesen, da (obwohl es sich um ein italienisches Machwerk aus den 80igern handelt) keine Tiere mißhandelt werden. Ein paar reingeschnittene Szenen aus Tierdokus wo sich Tiere gegenseitig jagen / fressen gibt es allerdings trotzdem, soviel dazu.
Im Gegensatz zum Titel und dem Thema Altersfreigabe in Deutschland ist die Story jedoch relativ simpel: Die 18 Jährige Catherine Miles steht wegen Doppelmord vor Gericht. Die Vorgeschichte erfahren wir in Rückblenden. Bei einem Besuch in Südamerika werden bei einer Schifffahrt auf dem Amazonas ihre Eltern von "Wilden" getötete. Nach dem Mord an Ihren Eltern wird Catherine von den Eingeborenen Umukai mehr oder weniger entführt und in einem Dorf festgehalten. Trotz widersprüchlicher Gefühle für Umukai und seiner Art zu leben verliebt sich Catherine in ihn und stellt fest, dass die wahren Mörder ihrer Eltern jemand ganz anderes ist.
Als Abenteuerfilm gesehen kommt Amazonia gar nicht ganz so schlecht davon, wie man zunächst erwarten würde. Das Dschungelsetting sowie die typischen 80er Synthie-Klänge geben ihr bestes. Auch die Hauptdarstellerin sowie die stringente (wenn auch banale) Story sorgen dafür, dass der Film keine Katastrophe ist. Warum jedoch der Film als Kannibalenfilm promoted wurde, erschließt mir nicht ganz (Vermutlich wollte es das Marketking so). Abgesehen von der Erwähnungen der Menschenfressern hat er rein überhaupt nichts mit dem Thema zu tun. Fazit: Da meine Erwartungen in diesem Genre nicht sehr hoch sind (ich würde sogar behaupten, eher sehr niedrig sind) - kann ich den Film eingeschränkt weiter empfehlen. Zielgruppe: Filmfans die jeden Schund aus dem Bereich Adventure-Italy-Grindhouse der 80iger gesehen haben wollen. filmdetails

Sonntag, 26. September 2021

Filmkritik: Ausflug in das Grauen (1981)

(c) Seymour Borde & Associates
Manchmal wäre es interessant zu wissen, wie die Vorgeschichte zur Entstehung eines Filmes abgelaufen ist. Bei Ausflug ins Grauen könnte man sich folgende Situation vorstellen: Low-Budget Regisseur James Bryan war mit ein paar Kumpels 1980 im Kino und hat sich Freitag der 13te angesehen, fand den Film scheinbar so geil, dass er sich dachte "hey - das kann ich auch!". Gesagt getan, nur 1 Jahr später war die 150 000 US Dollar Trashgurke abgedreht und schaffte es hier und dort sogar ins Kino. Thematisch angelehnt natürlich sehr nah an den 400 000 Dollar teueren (und qualitativ wesentlich besseren) Freitag der 13te. Man müsste zunächst denken, dass hier ganz großer Schund herumgekommen ist. Genaugenommen ist es das auch - und trotzdem hat dieses Slasher-Kleinkunst Spektakel seine Berechtigung. Sei es deshalb, dass man am Ende vor allem lernen kann, was beim Filme produzieren so alles schief laufen kann. Spassig ist der Film allemal, wieso er an dieser Stelle eine Rezension verdient.
Die Story - nun ja... Vier Camper verirren sich mehr oder weniger im Wald und geraten an einen komplett durchgedrehten Killer.
Der Film beginnt ohne große Vorerzählungen zu Charakteren, Vorgeschichte oder anderen unwichtigen Dingen und startet direkt im Wald. Unsere vier Mittzwangziger (politisch korrekt zwei Frauen und zwei Männer) sind auf der Suche nach einer Hütte, wo sie ihr Wochenende verbringen können. Idyllisch ist der Wald aber nur auf den ersten Blick. Denn schon ab der ersten Minute werden im gefühlten 5 Minuten Takt irgendwelche zufällige anwesenden anderen Touristen (Malerinnen, Rollstuhlfahrer, verliebte Pärchen, Mütter mit erwachsenen Söhnen) von einem Killer umgebracht. Der Zuschauer sieht dies durchgehend in detaillierten Großaufnahmen, während unserer Wandergruppe vorerst unbehelligt weiter in den Wald eindringt und - wie es kommen muss - sich verläuft.
Da irgendwer die Gruppe als vermisst gemeldet hat (macht übrigens überhaupt keinen Sinn, weil sie ja ohnehin das Wochenende im Wald verbringen wollten...) muss sich ein adipöser Bürogolf-spielender Redneck-Ranger im Flugzeug auf die Suche machen. Dieser bricht jedoch aus massiver Lustlosigkeit die Suche nach gefühlten 10 Minuten Rundflug ab (Begründung: Der Wald ist eh zu groß um da jemanden zu finden, "da unten würde ich mich auch verlaufen"). Ab dem Moment sind die Camper auf sich alleingestellt. Und es wird dunkel. Einer nach dem anderen macht ab jetzt bekanntschaft mit dem Killer.
Wer dieser Killer ist, wieso er mordet und was seine Motive sind ist unwichtig. Es gibt auch keine weitere Aufklärung oder Erklärung - der Film hangelt sich irgendwie nur so von Schauplatz zu Schauplatz. Die Effekte sind zum großen Teil detailliert aber handwerklich unter aller Sau. Man fragt sich unweigerlich, für was eigentlich die nicht gerade wenigen 150 000 USD drauf gegangen sein sollen. Nur so als Vergleich: Tanz der Teufel (aus dem selben Jahr) hatte kaum mehr als das Doppelte gekostet und legte nebenbei neue Maßstäbe für Splattereffekte. Die Effekte in Ausflug in das Grauen erinnern eher an Special Effects-Versuche die eine Gruppe Schüler in einer Projektwoche ohne Vorkenntnisse hinbekommen hätte. Das selbe kann man übrigens vom Soundtrack sowie den Schauspielern behaupten: Der "Soundtrack" - irgendwo angesiedelt zwischen wilden Kunstperformance rumgekloppe auf Metall-Instrumenten und Synthesizer Quälerei wirkt verstörender als der Killer selbst. Die Darsteller währenddessen würden noch mit einer Benotung 'stehts bemüht' gut davon kommen. Keinen der mitwirkenden Schauspieler nimmt man es nur im Ansatz ab, dass sie diesen Job hauptberuflich machen. Laut imdb hat übrigens tatsächlich keiner der Hauptdarsteller jemals wieder eine halbwegs relevante Rolle in einem Film bekommen. Jetzt bleibt nur noch die letzte im Raum stehende Frage: Ist der Film sehenswert? Ich denke ja. Wer Filme aus dieser Zeit mag und mit absolut niedrigen Erwartungen an die Sache heran geht, kann durchaus gut unterhalten werden. Da der Film mit 72 Minuten auch wieder relativ kurzweilig ist, steht einer Empfehlung nichts im Wege. filmdetails

Dienstag, 27. Juli 2021

Filmkritik: Wrong Turn - The Foundation (2021)

(c) Constantin Film

Ein paar Twens, die nach einer Autopanne sich unfreiwillig den Weg durch die Wildnis schlagen müssen und dabei von durchgeknallten Hillbilly-Kannibalen gejagt werden. Mehr braucht es nicht für einen ordentlichen Low-Budget Horrorfilm der immerhin 5 Fortsetzungen mit sich brachte. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an das offizielle Wrong Turn Reboot, was Anfang des Jahres in den USA erschienen ist und seit einigen Wochen auch hier erhältlich ist. Mit dabei ist auch wieder der Autor des Orignales Alan B. McElroy, somit sollte eigentlich nix schief laufen.
Wrong Turn - The Foundation - wie er mit deutschen Titel heißt - beginnt dann auch ähnlich: Eine Gruppe von junger Menschen verirrt sich im Wald. Diesmal sind sie jedoch nicht mit dem Auto liegen geblieben, sondern ganz klimaneutral zu Fuß auf Abenteuerurlaub in den Backwoods. Highlight sollen die Ruinen eines Forts aus dem Bürgerkrieg werden. Doch wie es so kommen muss: Schon nach kurzer Zeit stellt die Gruppe fest, dass sie nicht die einzigen im Wald sind und als sehr ungebetene Besucher empfunden werden.
Wer den Film noch sehen will - an dieser Stelle nicht weiterlesen. Eine ausführliche Bewertung ist an dieser Stelle leider nur schwer möglich ohne auf die Inhalte einzugehen. Also seid gewarnt! Gleich vorweg: Mir - und auch den meisten anderen (wenn man Amazon-, IMDB-Wertung und Rezensionen ansieht) hat der Film nicht wirklich gefallen. Gerade weil es ein Reboot war, habe ich hier wesentlich mehr erwartet. Und genau die Änderungen, die vermutlich Hip sein wollten, tragen dazu bei, dass der Film sehr enttäuschend ist. Fangen wir mit der Besetzung an: Die Gruppe junger Menschen wirkt schon von Anfang an sehr arrogant und selbstgefällig. Man empfindet daher im Verlauf des Filmes wenig bis gar kein Mitleid, wenn einer nach den anderen umgebracht wird. Die Widersacher machen es jedoch nicht besser: Anstatt der obligatorischen Hillbillies ist es diesmal eine Art Sekte, welche die Studenten jagt. Der Autor hat sich hier eindeutig bei erfolgreichen Filmen der letzten Jahre wie Midsommar oder Get Out inspirieren lassen. Der Unterschied: Das Sekten-Thema ergibt weder so richtig Sinn, noch ist es logisch oder passend im Wrong Turn Universum. Also ein weiterer Minuspunkt. Zu gu­ter Letzt versucht der Film politisch korrekt auf der aktuellen woken Linie mitzuschwimmen. Ein schwules Pärchen darf dabei nicht fehlen. Allerdings wird der eine der beiden Schwulen direkt als erstes und dazu auf besonders brutale Weise getötet. Was genau der Autor damit bezwecken will, bleibt mir ein Rätsel. Der größte Kritikpunk dürfte für eingefleischte Wrong Turn Fans jedoch etwas anders sein: Der Film ist einfach nicht brutal. Für eine Filmreihe, die sich bis jetzt vor allem darüber definiert hatte seine Opfer auf sehr abwechslungs- und detaillierte Weise ins Jenseits zu befördern wird hier praktisch null geboten. Fazit: Eines des einfallslosesten Horror-Reboot welches ich jemals gesehen habe. Vielleicht waren meiner Erwartungen aber einfach zu hoch, da ich den Original bis heute immer wieder gerne sehe. filmdetails

Montag, 24. Mai 2021

Filmkritik: Ein Zombie hing am Glockenseil (1980)

(c) Alemannia/Arabella Filmverleih GmbH
Inzwischen ist es schon einige Jahre her, dass ich das erste mal Lucio Fulcis bekanntesten Skandalfilm gesehen habe: Aufmerksam wurde ich damals vor allem, weil in der Ruhrpott-Assi-Komödie Voll Normaaal Tom Gerhardt in der Rolle des grenzdebilen Tommies von diesem Film schwärmte: "Da hängt der Zombie am Glockenseil, dass ein Auge fällt voll aus dem Kopf ey, voll blutisch ey!!!". Klar, dass ich damals den Film unbedingt auch sehen wollte - was in der Zeit vor Filmbörsen und Internet allerdings gar nicht so leicht zu bewerkstelligen war.  Die Tatsache, dass er damals (wie heute) in der ungeschnittenen Fassung beschlagnahmt war, löste natürlich einen Reiz aus. Umso größer war die Enttäuschung als ich den Film dann - mit zeitlichen Abstand zu Tommies Werbung in Voll Normaaal - Anfang der 00er Jahre irgendwann doch noch ansehen konnte: Ich empfand den Film als langatmig - und bis auf die berühmt berüchtigte  "Kotze die Gedärme aus" Szene bliebt mir nix mehr im Kopf. Zudem hing auch kein Zombie am Glockenseil (danke deutscher Filmverleih) noch war der Film so blutig wie Tommie ihn mir damals versprochen hatte. Nun - bald zwei Jahrzehnte später - ist es an der Zeit das (Mach)Werk erneut zu begutachten. Zwischenzeitlich habe ich diverse andere Fulci Werke gesehen und gelernt neben den blutigen Exzessen auch andere Dinge an italienischen Horrorfilmen dieser Zeit zu schätzen.
New York 1980: Eine Gruppe junger Erwachsener hält eine Séance ab - während sich zeitgleich in der entfernten Kleinstadt Dunwich ein Pfarrer erhängt. Wie durch eine magische Verbindung stirbt in diesen Moment eine der Teilnehmerinnen der Séance. Als Reporter Peter Bell über den Vorfall in New York schreiben will, stößt er relativ schnell auf viele Ungereimtheiten sowie die Verbindung nach Dunwich. Ohne es zu wissen, hat der Selbstmord in Dunwich eine Kettenreaktion des Bösen in Gang gesetzt, bei dem immer mehr Einwohner von Dämonen zu besessen werden scheinen bzw. durch bizarre Vorfälle aus dem Leben scheiden. Peter reist nach Dunwich um der Ursache auf die Spur zu gehen - nur um zu merken, dass er diese Reise hätte besser niemals antreten sollen.
Entgegen meiner Erwartung hat sich der Film beim erneuten ansehen relativ positiv behauptet. Warum ich ihn vor vielen Jahre eher lahm in Erinnerung habe, ist schwer zu sagen. Vermutlich, weil er deutlich unblutiger ist, als man bei so einem Titel erwarten würde. Heute fallen mir dafür umso positiver der typische 80iger Synthie-Soundtrack als auch die Farbgestaltung und entschleunigte Schnitte des Filmes auf. Neben dem üblichen Rot (klar Blut) begegnen einem überwiegen die Farben Blau und Grün. Vielleicht ist es auch ein Film, den man einfach mehrmal sehen muss, damit er seine Wirkung entfaltet? Wer würde beim ersten Schauen auf die Autofarbe oder Farbe des Kleides der Frau achten? Unterschwellig schafft es Fulci genau mit diesen optischen Spielereien eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Für alle Fulcifans ein Pflichtfilm. filmdetails

Donnerstag, 1. April 2021

Filmkritik: Die Ghoulies (1984)

(c) Empire Pictures

Auch wenn es auf dem Blog in den letzten Monaten relativ ruhig war: Tot ist er nicht! Durch eine ungewohnte Lethargie und die dadurch entstandene Angewohnheit lieber Filme zu schauen als darüber mehr oder weniger sinnvolle Texte zu verfassen, herrschte hier im letzten Jahr relativer Stillstand. Man kann ja vieles auf Corona schieben - aber die Pandemie wird hier eher weniger Schuld gehabt haben. Denn zuhause Filme schauen - damit erfüllt man aktuell ja eine Vorbildfunktion. Von daher - knapp eine Woche vor dem Start der neuen Schlefaz Frühjahrsstaffel mal wieder aus gegebenen Anlass eine kleine Filmbegutachtung. Und als ob das nicht schon genug Grund zum Feiern wäre: Obendrein gibst etwas was aus dem meiner Meinung nach völlig unterschätzten Genre "kleine fiese Monster die einen Töten wollen". Wir präsentieren: Die Ghoulies!
Charles Band - der Erfinder von Puppet Master - sollte eigentlich jedem B-Movie Fan der 80iger Jahre ein Begriff sein. Wie auch mir - immerhin besitze ich sämtliche Puppet Master Teile auf Bluray. Das er noch für einige andere Machwerke aus dieser Zeit verantwortlich war, ist mir ebenfalls bewusst. Was mir allerdings überhaupt nicht bekannt vor kam ist eine ganze Filmreihe namens Die Ghoulies. Keine Ahnung warum - es gibt davon scheinbar mindestens drei Teile und dies muss damit selbstverständlich nachgeholt werden.
Jonathan ist gerade einmal mitte 20, als er ein riesiges Anwesen erbt. Zusammen mit seiner Freundin Rebecca zieht er kurzerhand in sein neues - allerdings etwas in die Jahre gekommene - Eigenheim. Doch wie es bei alten Herrenhäuser immer so ist - liegt auch hier noch eine Art Zauberbuch mit dämonischen Grußformeln vom Vorbesitzer im Keller herum. Voller Leichtsinn und gut angetrunken werden auf diese Weise versehentlich bei der Einweihungsparty ein paar Höllendämonen heraufbeschworen. Auch wenn die Dämonen Jonathan grundsätzlich nichts böses wollen und alles nur als Partygag gedacht war, ist bereits die Büchse der Pandora geöffnet: Fasziniert von der schwarzen Magie schmeisst er das Studium und widmet sich nun Vollzeit der Zauberei und schwört hierbei immer fieserer Ausgeburten der Hölle empor.
So wie sich die Story liest ist auch der Film: Wirr. Im Großen und Ganzen merkt man den Machern an hier irgendwie keinen richtigen Plan gehabt zu haben. Aufgrund von Charles Band als Produzent wurde offenbar irgendwas mit Puppen und bösen Mächten vorgegeben. Das wars aber auch schon - und entsprechend ist das Ergebnis. Trotzdem: Der Film macht aus unerfindlichen Gründen durchaus Spass. Dies liegt einmal natürlich an den schön gemachten Gruselpuppen (also den sogenannten Ghoulies) - als auch an den Darstellern die scheinbar allesamt ihren Spass hatten. Allen voran einer von Jonathans 80iger Jahren Punk-Kumpels, der klischeebeladener kaum sein könnte. Die Brutalität hält sich in Grenzen und ist nach heutigen Maßstäben nicht wirklich FSK 18 würdig. Ein Kinderfilm ist es aufgrund der Thematik natürlich trotzdem nicht. Wer Puppet Master toll findet (wie ich) findet hier auf jedenfall seine 80 Minuten lang Minimonster-Horror. filmdetails

Samstag, 9. Januar 2021

Filmkritik: Torture - Einladung zum Sterben (2018)

(c) 2020 Lighthouse Home Entertainment

Denkt man an das Genre der College-Filme fallen den meisten Filmfans wohl zunächst Werke wie American Pie, Party- oder College Animals ein. Keine Schande - denn Ende der 90iger bis in die frühen 00er Jahre hinein gab es einen regelrechten Boom der feuchtfröhlichen Teenie-Komödien und fast jeder, der in den Achtzigern geboren wurde, wird den einen oder anderen Film gesehen haben. Umso erstaunter war ich, als ich von Torture gehört habe. Endlich mal wieder ein Film, der in einem klassischen College-Setting spielt. Und tatsächlich: In den ersten 20 Minuten wähnt man sich zurück in die Zeit als American Pie & Co noch zu den angesagtesten Filme in den Videotheken gehörten. Lang ist es her.
Die drei Freunde Justin, David und Ethan sind neu auf dem Campus und gleichzeitig Nerds wie sie im Bilderbuch stehen: Übergewichtig, Brillen - durchaus gebildet, aber leider sozial komplett unbeholfen. Ihr Ziel - Studentinnen aufzureißen - scheitert daher bereits daran überhaupt auf eine der angesagten Parties einer Studenten-Verbindungen zu gelangen. Doch wie durch einen Zufall (natürlich ist es keiner wie wir recht schnell erfahren) bekommen die drei Jungs von einer attraktiven Studentin eine Einladung zu einer sehr exklusiven Party einer Verbindung zugesteckt. Vermeintlich die einzige Chance etwas zu aufzureißen, machen sich die Drei auf den Weg zum Clubhaus. Wie man ahnen kann ist das ganze jedoch eine Falle: Der Schein trügt - die lockere Party im Clubhaus ist nämlich nur eine Tarnung um die drei Freunde zu einem unbarmherzigen Aufnahmeritual zu zwingen. Diese Prüfungen dienen allerdings vor allen ihren Peinigern ihren Durst nach sadistischen Spielen zu befrieidigen. Die Regeln der Prüfungen sind allerdings relativ Einfach: Wer am Ende alles überlebt kommt in die Verbindung.
Überraschenderweise hat mich der Film wesentlich mehr unterhalten als ich erhofft hätte. Auf der einen Seite sind die Darsteller für einen recht unbekannten Lowbudget Film überraschend gut. Auf der anderen Seite ist der Film auch technisch solide gemacht: Soundtrack, Effekte, Kamera - im Rahmen der Möglichkeiten wurde hier alles rausgeholt was geht. Dennoch muss man sich bewußt sein, dass man es trotz alledem mit einer Direct-to-DVD (bzw. heutzutage eher to-Stream) Produktion zu tun hat. Wer einen überragenden Horrorfilm erwartet ist selbstverständlich an der falschen Adresse. Dafür fehlt es an Ideen im Bereich Story oder ausgefeilte Charaktere. Da der Film aktuell bei Amazon Prime inbegriffen ist, lohnt es sich allerdings durchaus einen Blick zu riskieren. filmdetails

Freitag, 2. Oktober 2020

Filmkritik: Der Fluch der reitenden Leichen – Die Rückkehr der Tempelritter (2020)

(c) Studio: White Pearl Movies / daredo (Soulfood)
Bei einigen Filmen merkt man schon in den ersten Sekunden, das man billigen Schund vorgesetzt bekommt. Der Fluch der reitenden Leichen – Die Rückkehr der Tempelritter ist leider so ein Film - und das ganz unabhängig vom sperrigen Titel. Zunächst ein eingeblendeter Psalm ("Nicht uns Herr, nicht uns, Deinem Namen gib Ehre."), der im Kontext mehr Fragen als Aufschluss gibt - direkt im Anschluss eine billige CGI Burg inklusive einer Gruppe Templer, welche aussehen wie vom Faschings-Umzug. Auch die anschließende Meute auftauchender Dorfbewohner, die sich als Lynchmob entpuppt, macht keinen besseren Eindruck. Doch man sollte nicht zuviele Vorurteile hegen, prüfen wir daher die komplette Story, schließlich war dies nur der Vorspann. Vielleicht wird es besser, vielleicht bekommen wir hier einige Antworten:
Doch zu früh gefreut, nein - ohne spoilern zu wollen - es wird nicht besser, eher im Gegenteil: Schnitt in die Gegenwart - oder besser gesagt eine alternative postapokalyptischen C-Movie Gegenwart. Ein Vater sucht gemeinsam mit seiner erwachsenen Tochter einen paradisischen Ort, in dem noch ein gutes Leben möglich ist. Unterwegs werden Sie von einer Gruppe Outlaws überfallen, haben jedoch Glück, da sie von einer anderen Gruppe gerettet werden. Diese nimmt die Beiden wohlwollend auf - doch der Alptraum beginnt jetzt erst recht. Die vermeintlichen Retter entpuppen sich als irre Sekte, welche die Templer auferstehen lassen wollen.
Gut, die Reitenden Leichen Filme standen schon immer für eher mittelmäßige B-Movie Unterhaltung. Doch nach knapp 90 Minuten wird man das Gefühl nicht los, dass dennoch hätte mehr gehen müssen. Viel mehr. Der Fluch der reitenden Leichen wirkt wie ein verspätetes Relikt aus den 70iger Jahren. VHS Ästhetik, wütende Mobs mit Mistgabeln und Tempelritter - die wie Eingangs erwähnt wirken - als seien sie vom örtlichen Karnevalsverein eingekleidet worden: Mehr Klischees gehen fast nicht. Doch was in den alten Teilen irgendwo noch Zeitgemäß war und zumindest ein Mindestmaß an Atmosphäre bot zündet 2020 überhaupt nicht mehr. Dies liegt neben der schwachen Story auch an den grottigen CGI Effekten sowie den hölzernen Darstellern. Dazu kommen noch einige Filmfehler: Warum hat man sich zum Beispiel nicht einmal in einer der letzten Szenen die Mühe gemacht den Himmel digital von Kondesstreifen zu befreien? Zusammengefasst ein nicht empfehlenswerter Film, der selbst Hardcore-Fans der Reihe nicht gefallen dürfte. Eine imdb Wertung von 3.3 spricht dafür. filmdetails

Freitag, 11. September 2020

Filmkritik: Dollman (1991)

(c) Full Moon Entertainment
Albert Pyun war Ende der 80iger bis in die 90iger Jahre eine der gefragtesten Adressen, wenn es um Endzeitaction (Nemesis) oder irgendwas mit Cyborgs ging. Umso interessanter, dass Full Moon Entertainment Pyun dann 1991 für ein komplett anderes Genre engagiert hat. Ein Genre, was schwer zu umschreiben ist - da die Story wohl mehr oder weniger einzigartig ist - jedoch am ehesten dem klassichen Action / SciFi zuzuschreiben wäre. Wenn man sich die Liste der Macher anschaut wird es jedoch schnell klar wohin der Weg gehen sollte - bzw ging: Das Drehbuch und die Story enstammt einem gewissen Charles Band  - einem der Erfinder des wohl bekanntesten Puppenhorrors überhaupt: Der Puppetmaster Reihe! Was sollte hier also noch schief gehen? Mit Albert Pyun setzt ein gefragter B-Movie Regisseur die Geschichte eines sehr erfolgreichen Drehbuchautores um - ein Experiment, bei dem Full Moon Entertainment nur gewinnen konnte. Nicht zuletzt, weil die Produktionsfirma mit Demonic Toys bereits schon eine weitere bekannte Marke mit an Bord hatte, konnte im zweiten Teil noch einer drauf gesetzt werden. Doch dazu ein anderes mal mehr.
Brick Bardo ist unehrenhaft entlassener Polizist. Jedoch nicht auf der Erde - sondern 10 000 Lichtjahre entfernt auf dem erdähnlichen Planeten Arturus. Als es bei einem Fall - wo er trotz seiner Amtsenthebung aufkreuzt - völlig entgleist ist der Ärger groß. Durch Zufälle gerät Bardo zusammen mit seinem Erzfeind Braxton Red auf die Erde. Auch hier sind die Rollen klar: Bardo ist zwar ein rauher Typ - jedoch im Herzen gut. Sein Widersacher ist auf der Erde das selbe Arschloch wie auf Arturus. Einzige Besonderheit die beide teilen: Die Größenverhältnisse auf der Erde sind etwas anderes als auf ihren Heimatplaneten. Brick Bardo misst hier nämlich gerade einmal 30 Zentimeter! Bei Red ist das im Prinzip auch so - macht aber bei ihm einen nicht so großen Unterschied aus: Von Red existiert nämlich eh nicht viel mehr als ein durch Geräte am Leben erhaltener Kopf. Es dauert schließlich nicht lange, bis sich Red einer Straßengang angeschlossen hat. Bardo wiederum trifft auf die hart und ehrlich arbeitende Debi. Mit Unterstützung der Erdbewohner tragen daraufhin der Dollman und Braxton Red ihre Fehde auf der Erde aus.
Schon in den ersten Minuten ist Pyuns Handschrift deutlich erkennbar: Mit starken Rotfiltern gearbeitet wird eine düstere Zukunftsvision - auf einem weit entfernten Planeten - geschaffen, der am Ende dem Zuschauer jedoch der Erde näher erscheint als ihm lieb ist. Nicht weniger bedrückend sind die darauf folgenden Bilder in einer zunächst nicht näher genannten amerikanischen Großstadt auf der unserer Welt: Das Bild der Gegenwart ist gezeichnet von den in sich zusammen berechende Industrieruinen eines vergangenen Wirtschaftswunders in den 70iger Jahren. Heruntergekommene Stadtteile, die inzwischen von Gangs anstatt vom Gesetz regiert werden. Viel trostloser geht es nicht. Es kommen zwangsweise Erinnerungen an Pyuns dystopisches Endzeitbild hoch, welches bereits in Nemesis vorherrschend war. Erst nach einer halben Stunde wird dem Zuschauer gesteckt wo wir uns befinden: In der südlichen Bronx - also einem der Orte, wo man sich im Jahre 1991 offenbar nicht freiwillig aufhalten wollte. Und das, obwohl es inmitten der "zivilisierten westlichen" Welt liegt - die schon damals den Dreh- und Angelpunkt der Wirtschaft und Industrie stellte. Nur wenige Kilometer entfernt vom einstigen World Trade Centers welches das Sinnbild schlechthin für Amerikas wirtschaftliche Übermacht war. New York - eine Stadt, die nach dem Kalten Krieg gleichzeitig aber mehr Verlierer vorbrachte, als jede Generation zuvor. Die Bronx wirkt hier stellvertretend für so ziemlich jedes US Amerikanische Ghetto, was von den Abgehängten bewohnt wird und dem wirtschaflichen Leistungsdruck der 80iger Jahre nicht mithalten konnte. Drogendealer, Huren und Kleinkriminelle prägen das Straßenbild. Pyuns Bronx wirkt sicher nicht zufällig wie Paul Verhoevens grandios deprimierende Detroit-Interpretation in Robocop 4 Jahre vorher.
Über 25 Jahre später ist Dollman ein Zeitdokument, was für sich steht. Es steht für die damaligen Probleme (Bandenkriminalität, Drogen usw.), welche die Schlagzeilen regierten. Aussenpolitische Themen wie der erste Golfkrieg werden hier nicht beleuchtet. Ohne anmaßen zu wollen, das dieses das Ziel des Regisseurs war, kommt es dem unbeholfenen Zuschauer über zwei Jahrzehnte später so vor, als ob Pyun hier tatsächlich seine persönliche Gesellschaftskritik verarbeitete. Inbesondere in einer Szene wird dies schon fast mit dem Zaunpfahl präsentiert, wenn der Dollman seiner irdischen Freundin erzählt, dass die Menschen ansich überall gleich schlecht sind. Egal ob auf seinem Heimatplaneten oder hier: In der Bronx auf der Erde. Dafür, dass es sich um einen B-Movie handelt - der vermutlich nicht allzuviel gekostet hat (leider hab ich keine Quellen gefunden) scheint der Grundtenor des Filmes fast anspruchsvoll. Doch keine Angst: Auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz. Immerhin heißt der Regisseur Pyun und dieser kennt sich mit Action aus. Es wird geballert, es wird geprügelt - und es gibt einige mehr oder weniger gute Gags. Die Effekte sind handwerklich gut gemacht. Mit Splitscreening werden die Effekte erzeugt, wenn der Dollman mit irdischen Charakteren agiert. Immerhin ist der Name Dollman auch nicht von ungefähr: Der Dollman ist in seiner Heimatwelt zwar normal groß - auf der Erde jedoch nur 30 Zentimeter lang. Insgesamt wächst der Film jedoch nie so richtig über seinen B-Movie Charme hinaus - was mit Sicherheit dem eingeschränkten Budget geschuldet war. Pyun hat jedoch das beste draus gemacht. Für Fans klassischer 90iger Jahre SciFi-Action ein Pflichtfilm der während seiner Zeit leider etwas unter gegangen ist. Vielleicht auch deshalb, weil er nur für den Videothekenmarkt produziert wurde und damit nie offiziell ins Kino kam. filmdetails
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